Drei Wochen nach dem Drama von Epsom kommt es am Sonntag am Curragh zur Revanche: Der Dubai Duty Free Irish Derby bringt fast das komplette Spitzenfeld der britischen Klassik-Generation erneut zusammen – diesmal aber unter komplett anderen Vorzeichen. Während in Epsom der Boden tief und kräftezehrend war, präsentiert sich der Curragh trocken und schnell. Genau dieser Unterschied könnte das gesamte Kräfteverhältnis verschieben. Und mittendrin: Aidan O’Brien, der mit vier Pferden seinen rekordverdächtigen 18. Sieg in diesem Rennen jagt.
Quick Facts: Das Wichtigste auf einen Blick
| Rennen | Dubai Duty Free Irish Derby (Gruppe 1, Klassiker) |
| Bahn | Curragh, County Kildare (Irland) |
| Datum | Sonntag, 28. Juni 2026 |
| Anstoß | 17:35 Uhr MESZ (16:35 Ortszeit) |
| Distanz | 1 Meile 4 Furlong (ca. 2.400 m) |
| Alter | 3-jährige Hengste & Stuten |
| Boden (erwartet) | Good to firm – schnell und trocken |
| Siegprämie | ca. 712.500 € (Gesamtdotierung 1,25 Mio. €) |
| Starterfeld | 8 Pferde |
| Trainer-Hotspot | Aidan O’Brien mit 4 von 8 Startern |
Worum es geht: Mehr als nur ein Rennen
Der Irish Derby wird seit 1866 ausgetragen und ist das reichste Rennen der irischen Triple Crown. Seine Besonderheit liegt in der engen Verzahnung mit dem englischen Epsom-Derby: Pferde, die dort überzeugen, treten oft nur drei Wochen später am Curragh erneut an. Das macht den Wettmarkt jedes Jahr zur Fortsetzung einer bereits begonnenen Geschichte – und 2026 ist diese Geschichte besonders spannend, weil der Epsom-Ausgang von einem kuriosen Zwischenfall überschattet wurde.
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Das große Fernziel heißt englisch-irisches Derby-Double: beide Klassiker im selben Jahr zu gewinnen. Das gelang in über 160 Jahren erst rund 20 Pferden – eine Liste, auf der Galileo, Camelot, Australia und zuletzt Lambourn (2025) stehen. Genau dieses Double hat O’Brien mit seinem Epsom-Sieger Christmas Day erneut im Visier.
Die Strecke: Warum der Curragh ein ehrlicher Test ist
Der Curragh ist eine weite, faire Linkskurs-Bahn. Die 2.400-Meter-Distanz über die geräumige Streckenführung verzeiht keine Ausreden: Hier gibt es genug Platz für jeden, taktische Engpässe wie in Epsom sind selten. Das ist ein echter Stehertest, der das beste Pferd meist nach vorne bringt – anders als das wellige, kurvenreiche Epsom, wo Position und Renngeschick überproportional zählen.
Der entscheidende Faktor in diesem Jahr ist aber der Boden. Die Bodenverhältnisse am Freitag vor dem Renntag:
- Good to firm, good in places – also schnell und trocken
- Temperaturen bis rund 26 °C, kaum Niederschlag
- „Draw Advantage: Low” am Freitag, niedrig gezogene Pferde leicht im Vorteil
Das ist das genaue Gegenteil des weichen, kräftezehrenden Epsom-Bodens. Und das ist der Schlüssel zum gesamten Rennen.
Die Favoriten im Detail
Benvenuto Cellini – der Favorit mit dem Fragezeichen
An der Spitze des Marktes steht der Frankel-Sohn von Aidan O’Brien, geritten von Stalljockey Ryan Moore. Sein Epsom-Auftritt ist schnell erzählt: Sein Hinterbein verfing sich auf der Kante der Startbox, er verpasste den Start, kam nie ins Rennen und wurde als Zehnter abgeschlagen durchs Ziel geschoben – kontrovers von den Stewards überhaupt als Starter gewertet. Diese Form ist also faktisch wertlos.
Aussagekräftiger ist, was davor geschah: ein überzeugender Sieg im Chester Vase, mit Strafgewicht, gut reisend, ohne jedes Distanzproblem über die 2.400 Meter. Das entscheidende Signal kommt von Ryan Moore selbst – dass er bei Benvenuto Cellini bleibt und nicht auf den Epsom-Sieger wechselt, zeigt, dass Ballydoyle ihn weiter für den besten Mitteldistanzler des Stalls hält.
- Pro: schneller Boden ideal, Chester-Form top, Jockey-Treue als Vertrauensbeweis
- Contra: hat praktisch ein Rennen „verloren”, echte Klassik-Bewährung über die Distanz steht aus
Christmas Day – die stärkste Form, aber das falsche Wetter?
Der Camelot-Sohn ist das einzige Pferd im Feld, das bereits einen Klassiker gewonnen hat. In Epsom setzte er sich auf schwerem Boden mit einer mutigen Vorstellung von der Spitze durch. O’Brien betonte danach, das Pferd sei zu noch mehr fähig, und der Curragh sei immer das Ziel gewesen.
Der Haken: Genau die schweren Bedingungen von Epsom spielten ihm in die Karten. Auf dem schnellen Curragh-Boden stellt sich die Frage, ob er genug Grundtempo hat – im Dante Stakes in York wurde er auf festerem Boden im Finish überspurtet. Das ist die zentrale Wette bei Christmas Day: ob ein bewiesener Steher auf schnellem Boden seine Stärke ausspielen kann.
- Pro: einziger Klassik-Sieger, bewiesenes Stehvermögen, klare Pedigree für die Distanz
- Contra: good to firm könnte ihm das Tempo nehmen; bei Regen wäre er klarer Sieganwärter
Raaheeb – die frische Wildcard
Der ungeschlagene Sea-The-Stars-Sohn von Owen Burrows ist der spannendste externe Name. Als Vollbruder der Spitzenpferde Baaeed und Hukum bringt er erstklassige Gene mit. Sein Team ließ Epsom bewusst aus und wartete auf die irische Variante – er kommt also frisch und ungefordert, während die Konkurrenz schon ein hartes Rennen in den Knochen hat.
Im Sandown Classic Trial (Gruppe 3) gewann er trotz sichtbarer Unerfahrenheit überzeugend und ließ erkennen, dass ihm die zusätzliche Distanz weiter entgegenkommt. Ein Wermutstropfen für die Bodenfrage: Er kam nach einem Sieg auf gutem Boden etwas „sore” zurück, weshalb sein Team eher auf schnelleren Untergrund setzt – was am Sonntag passt.
- Pro: ungeschlagen, frisch, Top-Pedigree, schneller Boden gewünscht
- Contra: noch nie auf diesem Niveau gelaufen, 11/4 sind ein kurzer Preis für so viel Unbekanntes
James J Braddock – der unterschätzte Each-Way-Mann
Der Zarak-Sohn von Joseph O’Brien hat die solideste etablierte Form abseits der Favoriten: Sieg im Leopardstown Derby Trial, dann ein starker dritter Platz in Epsom, nur 5,25 Längen hinter Christmas Day – und das auf schwerem Boden bei erst seinem fünften Start. Am Curragh selbst gewann er im November mit sechs Längen Vorsprung. Interessant: Die jüngsten Irish-Derby-Sieger Los Angeles und Westover waren beide zuvor Epsom-Dritte.
- Pro: verlässliche Form, Curragh-Sieger, Steigerungspotenzial, attraktiver Each-Way-Preis
- Contra: wurde zweimal von Christmas Day geschlagen; profitierte in Epsom evtl. vom weichen Boden
Das Teilnehmerfeld & die Quoten
| Pferd | Trainer | Jockey | Box | Quote (ca.) | Profil |
|---|---|---|---|---|---|
| Benvenuto Cellini | A. O’Brien | R. Moore | 8 | ~6/4 (2,5) | Favorit, Boden ideal |
| Christmas Day | A. O’Brien | R. Whelan | 6 | ~4/1 (5,0) | Epsom-Sieger, beste Form |
| Raaheeb | O. Burrows | R. Ryan | 3 | ~11/4 (3,75) | ungeschlagen, frisch |
| James J Braddock | J. O’Brien | – | 7 | ~6/1 (7,0) | Each-Way-Tipp |
| Pierre Bonnard | A. O’Brien | – | 1 | ~12/1 | Epsom-7., enttäuschte zuletzt |
| Action | A. O’Brien | – | 4 | ~16/1 | Dante-2., Derby-Flop |
| Bunyola Bay | R. Hannon | S. Levey | 5 | ~25/1 | irische Form, Außenseiter |
| Shaihaan | D. O’Brien | – | 2 | ~33/1 | krasser Außenseiter |
Die Quoten sind eine Markteinordnung und verschieben sich bis zum Start – gerade weil ein Regenschauer alles drehen würde.
Was die Quoten in Wahrscheinlichkeiten bedeuten
Damit die Kurse greifbarer werden, hier die grobe Übersetzung in Siegchancen (vor Buchmacher-Marge):
- 6/4 Benvenuto Cellini ≈ 40 % implizite Siegwahrscheinlichkeit
- 11/4 Raaheeb ≈ 27 %
- 4/1 Christmas Day ≈ 20 %
- 6/1 James J Braddock ≈ 14 %
Spannend ist: Der Markt macht Benvenuto Cellini zum klaren Favoriten, obwohl seine letzte Form unbrauchbar ist – er wird fast ausschließlich über die Chester-Form und den passenden Boden bewertet. Das schafft potenziellen Value bei denen dahinter.
Meine Einschätzung: Der Boden entscheidet alles
Dieses Rennen ist im Kern eine einzige große Frage: Wie viel verändert der schnelle Boden gegenüber Epsom?
Auf weichem Grund wäre Christmas Day mein klarer Tipp – er hat es in Epsom bewiesen. Aber good to firm dreht die Logik um. Der trockene Curragh-Boden spielt zwei Pferden in die Karten, die in Epsom benachteiligt waren: dem unbelasteten Benvenuto Cellini und dem frischen Raaheeb. Beide wollen genau diese Bedingungen.
Mein Fazit nach Abwägung von Form, Boden, Frische und Preis:
- Bester Sieg-Kandidat: Christmas Day bleibt die ehrlichste Form – aber nur, wenn am Sonntag doch Regen fällt. Bei trockenem Boden sinkt seine Chance spürbar.
- Mein Tipp auf festem Boden: Raaheeb. Frisch, ungeschlagen, exzellent gezüchtet, und er bekommt genau den schnellen Untergrund, den sein Team sich wünscht. Zum 11/4-Preis riskant, aber das stimmigste Gesamtpaket für die erwarteten Bedingungen.
- Der Value-Pick fürs Each-Way-Spiel: James J Braddock zu ~6/1. Etablierte Form, Curragh-Sieger, und die Statistik der Epsom-Dritten spricht für ihn.
- Der Favorit mit Vorsicht: Benvenuto Cellini hat das ideale Szenario, aber zum kurzen Preis kauft man ein großes Fragezeichen mit.
Die Wetter-Wette in einem Satz: Bleibt es trocken (good to firm), tippe ich Raaheeb vor Benvenuto Cellini; fällt nennenswerter Regen, kippt mein Tipp sofort zurück auf Christmas Day.
So oder so verspricht ein achtköpfiges Feld voller Klassik-Form über die faire Curragh-Distanz einen echten Härtetest – und O’Briens Quartett macht es für die Konkurrenz nicht leichter.
Quoten-Stand: 27.06.2026. Wettquoten unterliegen ständigen Schwankungen – bitte vor Wettabgabe beim jeweiligen Anbieter prüfen.
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