Jan Rademeister
| veröffentlicht am: 27.06.26
geprüft von Thoralf Müller | 4 Min. Lesezeit

Esther Sedlaczek: Die ARD-Stimme der WM 2026 – Karriere, Familie und ihr Weg nach oben

Esther Sedlaczek: Die ARD-Stimme der WM 2026 – Karriere, Familie und ihr Weg nach oben

Seit dem 11. Juni führt Esther Sedlaczek Millionen Fußballfans durch die WM 2026 – an der Seite von Weltmeister Bastian Schweinsteiger, live aus den Stadien in den USA, Kanada und Mexiko. Je präsenter sie auf dem Bildschirm ist, desto häufiger taucht die Frage auf, wer die Moderatorin eigentlich ist. Dieses Porträt fasst die gesicherten Fakten zusammen – über eine bemerkenswerte Karriere, eine ungewöhnliche Familiengeschichte und eine Frau, die ihr Privatleben bewusst schützt.

Steckbrief

Name Esther Sedlaczek
Geboren 24. November 1985 in Ost-Berlin
Alter 40 Jahre
Größe 1,83 m
Beruf Fernsehmoderatorin, Sportjournalistin
Familienstand verheiratet, drei Kinder
Sender ARD (zuvor Sky)

Eine ungewöhnliche Familiengeschichte

Esther Sedlaczek wuchs in Berlin bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Ihren Vater lernte sie erst mit 16 Jahren kennen – und es ist kein gewöhnlicher Vater: Es handelt sich um den Schauspieler Sven Martinek, vielen bekannt aus deutschen Fernsehserien. Der erste Kontakt kam damals per Telefon zustande. Heute beschreibt Sedlaczek das Verhältnis als eng und freundschaftlich; ihr Vater spielt inzwischen auch eine Rolle im Leben ihrer Kinder. Zur Familie gehören außerdem sechs Halbgeschwister.

Dass ausgerechnet ihr Vater der prominenteste Name in ihrer Biografie ist, passt zu einer Frau, die ihren eigenen Weg konsequent selbst gegangen ist – ohne den Namen je als Türöffner zu nutzen.

Vom Mode-Traum zum Sportjournalismus

Interessant ist, dass Sedlaczeks Weg zunächst in eine ganz andere Richtung führte. Nach dem Abitur 2005 verbrachte sie ein Jahr in Sri Lanka, wo sie Kindern Englisch unterrichtete – eine Zeit, die sie bis heute als prägend bezeichnet. Zurück in Deutschland zog es sie in die Modebranche: Nach einem Praktikum bei der Zeitschrift „Superillu” studierte sie von 2007 bis 2009 Modejournalismus und Medienkommunikation in Berlin. Erst im Lauf der Ausbildung entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Sportjournalismus.

Rückblickend war dieser Schwenk ein Volltreffer. Ihren Aufstieg verdankt sie keinem Zufall, sondern einem einzigen, mutigen Schritt – einem Casting.

Der Durchbruch: ein Casting gegen 2.700 Bewerber

Nach ersten Erfahrungen als Reporterin und Nachrichtensprecherin bei regionalen Sendern in Berlin und Brandenburg gelang Sedlaczek Ende 2010 der Durchbruch: Beim Pay-TV-Sender Sky setzte sie sich in einem Casting gegen rund 2.700 Mitbewerber durch. Ab 2011 stand sie am Spielfeldrand der Bundesliga, der 2. Liga und des DFB-Pokals, später auch bei Champions League und Europa League. Mit ihrer natürlichen Gesprächsführung wurde sie rasch zu einem der bekanntesten Gesichter des Senders.

Der Wechsel zur ARD und der Aufstieg zum Topgesicht

2021 folgte der entscheidende Karriereschritt: der Wechsel zur ARD. Seit August jenes Jahres moderiert Sedlaczek die Bundesliga in der „Sportschau” – als erst vierte Frau auf diesem Posten nach Anne Will, Monica Lierhaus und Jessy Wellmer. Längst ist sie weit mehr als ein Sportgesicht: Sie übernahm von Jörg Pilawa das ARD-„Quizduell”, präsentiert seit 2023 die Samstagabendshow „Frag doch mal die Maus” und moderiert „Blickpunkt Sport” im Bayerischen Rundfunk. Im Januar 2025 verlängerte die ARD ihren Vertrag vorzeitig bis 2029 – ein deutliches Bekenntnis des Senders.

Ein Kuriosum am Rande: Sedlaczek war die erste weibliche Feldreporterin in der deutschen Version der bekannten FIFA-Videospielreihe und moderierte zudem die Auslosung der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Hamburg.

Ihre Turnier-Auftritte werden regelmäßig hoch gelobt. Schon bei der WM 2022 fiel sie mit pointierten Fragen auf; renommierte Zeitungen attestierten ihr starke Auftritte. 2024 wurde sie vom „Medium Magazin” zur „Journalistin des Jahres” in der Kategorie Sport gewählt.

Die Frage nach dem Gehalt

Bei einer der bekanntesten Moderatorinnen des Landes liegt die Frage nahe, was sie eigentlich verdient. Die ehrliche Antwort lautet: Es ist nicht bekannt. Die ARD nennt grundsätzlich keine konkreten Gehälter für einzelne Moderatorinnen und Moderatoren, und kursierende Summen in Medienberichten sind unbestätigte Schätzungen. Seriös lässt sich also nur sagen, dass ihre wachsende Rolle – von Live-Sport über Quizshows bis zur Samstagabend-Unterhaltung – ihren Marktwert über die Jahre deutlich gesteigert haben dürfte. Belastbare Zahlen gibt es aber nicht.

Privatleben: bewusst geschützt

So offen Sedlaczek über ihren Beruf spricht, so klar zieht sie bei der Familie eine Grenze. Bekannt ist, dass sie seit April 2019 mit einem Geschäftsmann aus München verheiratet ist; ein Paar sind die beiden seit 2016. Den Namen ihres Mannes, seine Branche und Details zu den drei Kindern – einer Tochter und zwei Söhnen – hält sie konsequent aus der Öffentlichkeit heraus. Auf Social Media zeigt sie ihren Nachwuchs allenfalls von hinten und nennt keine Vornamen.

Diese Zurückhaltung ist eine bewusste Entscheidung: Sie hat mehrfach betont, ihre Familie schützen zu wollen, gerade die Kinder. Den Spagat zwischen einem durchgetakteten TV-Job und drei kleinen Kindern organisiert die Familie nach eigenen Angaben vom Süden Deutschlands aus, während Sedlaczek für ihre ARD-Einsätze regelmäßig pendelt. Auf die immer wiederkehrende Frage, wie sie Karriere und Familie vereinbart, reagiert sie inzwischen sichtlich genervt – mit dem berechtigten Hinweis, dass man sie ihren männlichen Kollegen kaum stellen würde.

Das ARD-Duo mit Bastian Schweinsteiger

Bei den großen Turnieren bildet Sedlaczek mit Bastian Schweinsteiger ein eingespieltes Gespann: Sie moderiert, er ordnet als Experte ein. Zusammen waren sie schon bei der WM 2022 und der EM 2024 im Einsatz, nun auch bei der WM 2026. Zu dem Duo gibt es immer wieder Spekulationen – Sedlaczek selbst stellt es nüchtern als professionelles, über die Jahre gewachsenes Arbeitsverhältnis dar, das von gegenseitigem Respekt und einer Portion Humor lebt. Genau diese Lockerheit, sagt sie, erleichtere das Zusammenspiel vor der Kamera.

Eine Karriere, die kein Zufall ist

Was Esther Sedlaczeks Werdegang so bemerkenswert macht, ist die Konsequenz dahinter. Eine Frau, die ihren prominenten Vater erst als Teenager kennenlernte, die eigentlich in die Modebranche wollte und über ein einziges Casting in den Sportjournalismus fand – und die sich von dort an die Spitze des deutschen Fernsehens arbeitete, ohne je ihr Privatleben zum Teil der Inszenierung zu machen. Gerade in einem Geschäft, das von Sichtbarkeit lebt, ist diese klare Trennung zwischen öffentlicher Rolle und geschütztem Familienleben eine Stärke. Bei der WM 2026 dürfte sie ihren Ruf als eine der besten Sportmoderatorinnen des Landes weiter festigen.