Wenn am Sonntagabend der TSV Havelse den VfB Stuttgart II im Eilenriedestadion empfängt, treffen zwei Mannschaften aufeinander, die zwar in derselben Tabellenregion unterwegs sind, aber mit völlig unterschiedlicher Ausgangslage in diese Partie gehen. Havelse steht nach 34 Spieltagen mit 29 Punkten auf Rang 18 und hat im Abstiegskampf praktisch keine Luft mehr. Jeder weitere Rückschlag kann in dieser Saisonphase verheerend sein, zumal der Abstand auf die rettenden Plätze nur noch mit einer fast perfekten Schlussphase zu schließen ist. Genau deshalb ist dieses Heimspiel für den Aufsteiger weit mehr als nur eine reguläre Ligapartie. Es ist ein Spiel mit Endspielcharakter, in dem nicht nur Punkte, sondern auch Nerven, Mut und Widerstandskraft auf dem Prüfstand stehen.
Der VfB Stuttgart II reist dagegen mit 43 Punkten als Tabellen-13. nach Hannover und hat sich damit eine deutlich angenehmere Ausgangslage geschaffen. Ganz sorgenfrei ist die Lage noch nicht, aber die jungen Schwaben können mit deutlich mehr Gelassenheit auf die Tabelle blicken als der Gegner. Genau darin liegt auch eine interessante Spannung dieses Duells. Havelse muss, Stuttgart II kann. Havelse wird den Druck nach vorne schieben, Stuttgart II wird versuchen, die spielerische Qualität und die größere Ruhe im Ballbesitz für sich zu nutzen. Dass die Gäste dennoch alles andere als unverwundbar sind, zeigt der Blick auf die jüngsten Auswärtsauftritte. Dort gab es zuletzt eine Serie von Niederlagen, während Havelse immerhin noch bewiesen hat, dass zuhause überraschende Resultate möglich sind. Deshalb ist diese Begegnung auf dem Papier zwar kein absolutes Spitzenspiel, sportlich aber eines der reizvollsten Duelle dieses Spieltags.
Ausgangslage: Havelse kämpft mit letzter Kraft, Stuttgart II sucht die endgültige Sicherheit
Für den TSV Havelse ist die Rechnung vor dem 35. Spieltag ziemlich simpel. Nur Siege helfen wirklich weiter. Die Mannschaft von Samir Ferchichi steht mit 7 Siegen, 8 Unentschieden und 19 Niederlagen tief im Tabellenkeller und hat bei einem Torverhältnis von 50:75 vor allem in der Defensive enorme Probleme offenbart. 75 Gegentore sind einer der entscheidenden Gründe dafür, dass Havelse trotz einzelner Ausrufezeichen nie aus dem unteren Bereich herauskam. Gleichzeitig zeigt die Zahl von 50 selbst erzielten Treffern aber auch, dass die Mannschaft durchaus in der Lage ist, Spiele offensiv anzunehmen. Genau das macht Havelse so schwer greifbar. Das Team ist nicht harmlos, aber eben häufig zu offen. Im Saisonendspurt kann genau das Fluch und Chance zugleich sein.
Der VfB Stuttgart II bringt andere Vorzeichen mit. Die Schwaben stehen bei 12 Siegen, 7 Unentschieden und 15 Niederlagen und damit auf 43 Punkten. Auch ihre Saison war alles andere als ruhig, doch die größere individuelle Qualität im Kader und die insgesamt stabilere Punktausbeute haben dafür gesorgt, dass die zweite Mannschaft des VfB derzeit elf Zähler vor Havelse liegt. Auffällig bleibt aber die Diskrepanz zwischen Heim und Auswärts. Während Stuttgart II zuhause immer wieder ordentliche Auftritte gezeigt hat, ist die Auswärtsform ein klarer Schwachpunkt. Mehrere Niederlagen in Serie auf fremdem Platz sprechen dafür, dass diese Mannschaft unter Druck und außerhalb des gewohnten Umfelds anfällig wird. Genau deshalb ist der reine Tabellenvergleich hier trügerisch. Havelse ist der größere Sorgenfall, aber nicht automatisch der chancenlose Außenseiter.
Hinzu kommen personelle Fragen, die vor allem bei Havelse ins Gewicht fallen. Mit Nassim Boujellab fehlt ein wichtiger Mittelfeldspieler gesperrt, außerdem stehen Torben Engelking, Tom Berger und Tom Opitz nicht voll zur Verfügung. Beim VfB Stuttgart II fehlen unter anderem Michael Glück, David Tritschler, Alexandre Azevedo, Semih Kara, Lauri Penna und Mirza Catovic. Beide Teams haben also Ausfälle zu verkraften, doch bei Havelse wiegt jede Lücke in dieser Saisonphase noch etwas schwerer, weil die Mannschaft insgesamt weniger Tiefe im Kader besitzt.
Direkter Vergleich (Head-to-Head): TSV Havelse vs. VfB Stuttgart II
Das direkte Duell ist schnell erzählt, denn bislang gab es in dieser Saison erst ein Aufeinandertreffen.
| Datum | Ergebnis | Wettbewerb |
|---|---|---|
| 30.11.2025 | VfB Stuttgart II 2:1 TSV Havelse | 3. Liga |
Dieses Hinspiel liefert zumindest einen kleinen Fingerzeig. Stuttgart II setzte sich zuhause knapp mit 2:1 durch und hatte damals die besseren Nerven in einem Spiel, das enger war, als es viele vorab erwartet hatten. Für Havelse ist das zugleich ein Signal, dass der Gegner keineswegs unerreichbar ist. Der Unterschied zwischen beiden Teams war im ersten Vergleich nicht riesig. Stuttgart II wirkte etwas sauberer in den Abläufen, Havelse hielt mit Einsatz und Direktheit dagegen. Genau dieses Muster könnte sich auch diesmal wieder zeigen. Weil die Datenbasis im direkten Vergleich sehr klein ist, sollte der Fokus stärker auf Form, Spielstil und Drucksituation gelegt werden als auf der H2H-Bilanz.
Formkurve: TSV Havelse zwischen wildem Risiko und letzter Hoffnung
Ein kurzer Blick auf die jüngsten Resultate zeigt, warum Havelse im Saisonfinale zwar unter Druck steht, aber noch nicht komplett abgeschrieben werden darf.
| Spieltag | Ergebnis | Gegner | Spielort |
|---|---|---|---|
| 34 | 1:2 | SSV Ulm 1846 | Auswärts |
| 33 | 2:0 | 1. FC Saarbrücken | Heim |
| 32 | 4:1 | SV Wehen Wiesbaden | Auswärts |
| 31 | 0:3 | Energie Cottbus | Heim |
| 30 | 2:5 | SSV Jahn Regensburg | Auswärts |
| 29 | 3:2 | Viktoria Köln | Heim |
Drei Siege aus den letzten sechs Ligaspielen lesen sich auf den ersten Blick ordentlich, besonders für eine Mannschaft auf Rang 18. Havelse hat in dieser Phase immerhin Saarbrücken zuhause geschlagen, Wehen Wiesbaden auswärts deutlich bezwungen und gegen Viktoria Köln ebenfalls gewonnen. Das sind Resultate, die zeigen, dass dieses Team noch lebt und in Einzelspielen sehr wohl Explosivität entwickeln kann. Gerade offensiv hat Havelse immer wieder mutig agiert und in diesen sechs Partien 12 Tore erzielt. Das Problem ist nur, dass im selben Zeitraum auch 14 Gegentore kassiert wurden. Fast jedes Spiel kippt schnell in eine offene, hektische Richtung.
Genau das war auch bei der 1:2-Niederlage in Ulm zu sehen. Havelse hielt die Partie lange offen, hatte aber in den entscheidenden Momenten wieder nicht die nötige Klarheit. Zuvor war der 2:0-Heimsieg gegen Saarbrücken ein starkes Signal, weil die Mannschaft dort einmal nicht nur mutig, sondern auch diszipliniert verteidigte. Der spektakuläre 4:1-Erfolg in Wiesbaden zeigte anschließend, wie unangenehm Havelse werden kann, wenn der erste Treffer gelingt und Räume für Umschaltmomente entstehen. Gegen einen spielstarken Gegner wie Stuttgart II wird genau dieses Muster wieder entscheidend sein. Havelse braucht Tempo, Zweikampfhärte und möglichst frühe Ballgewinne, weil ein reines Kontrollspiel nicht zu dieser Mannschaft passt.
Formkurve: VfB Stuttgart II mit Offensivideen, aber massiven Auswärtsproblemen
Auch die Gäste bringen eine Formkurve mit, die genügend Stoff für mehrere Interpretationen liefert.
| Spieltag | Ergebnis | Gegner | Spielort |
|---|---|---|---|
| 34 | 2:2 | Erzgebirge Aue | Heim |
| 33 | 1:3 | Alemannia Aachen | Auswärts |
| 32 | 1:1 | SSV Ulm 1846 | Heim |
| 31 | 3:1 | SSV Jahn Regensburg | Heim |
| 30 | 1:3 | 1. FC Schweinfurt 05 | Auswärts |
| 29 | 1:0 | TSG Hoffenheim II | Heim |
Der VfB Stuttgart II hat aus den letzten sechs Spielen nur zwei Siege geholt, dazu zwei Remis und zwei Niederlagen. Auffällig ist dabei, dass die Mannschaft in nahezu jedem Spiel eigene Torchancen kreiert und inzwischen seit mehreren Partien verlässlich trifft. In den letzten fünf Ligaspielen gelangen 8 Tore, gleichzeitig wurden aber auch 10 Gegentore kassiert. Vor allem auswärts ist diese Balance ein Problem. Die Schwaben haben ihre letzten Auswärtsspiele in Serie verloren, darunter bei Aachen, Schweinfurt, Wiesbaden, Viktoria Köln, Saarbrücken und Verl. Das ist kein kleiner Ausrutscher mehr, sondern ein klares Muster.
Gerade deshalb ist dieses Spiel aus Stuttgarter Sicht heikel. Die Tabellenlage sieht komfortabel aus, doch das junge Team hat auf fremdem Platz zuletzt kaum Widerstandsfähigkeit gezeigt, sobald Spiele kippten. Das 2:2 gegen Aue am vergangenen Spieltag passte in dieses Bild. Offensiv war genug Qualität vorhanden, defensiv fehlte erneut die Kontrolle. Positiv für den VfB II ist immerhin, dass Spieler wie Noah Darvich, Nicolás Sessa oder Mansour Ouro-Tagba jederzeit für kreative Momente sorgen können. Wenn diese Achse ins Rollen kommt, bekommt Havelse große Probleme. Der Unterschiedsspieler in so einer Partie könnte deshalb eher im technischen Bereich als in der Physis liegen.
Wettquoten: Torreiches Kellerduell mit spannender Rollenverteilung
Das Quotenbild ist interessant, weil es zwei verschiedene Geschichten erzählt. Einerseits sieht ein Teil der Daten Havelse mit ordentlichen Chancen, andererseits machen die klassischen 1X2-Quoten den VfB Stuttgart II zum leichten Favoriten. Genau das zeigt, wie schwer diese Partie sauber einzuordnen ist. Die Tabelle spricht für Stuttgart II, der Heimdruck für Havelse, die Auswärtsform wiederum klar gegen die Gäste.
Für die wichtigsten Märkte lassen sich aus den gelieferten Beispielen diese Richtwerte ableiten:
- Sieg TSV Havelse: 3,40 bis 3,60
- Unentschieden: 3,60 bis 3,90
- Sieg VfB Stuttgart II: 1,80 bis 1,93
- Doppelte Chance 1X: 1,80
- Doppelte Chance X2: 1,27
- Sieg VfB Stuttgart II ohne Unentschieden: 1,43 bis 1,45
- Über 2,5 Tore: klar favorisiert
- Beide Teams treffen: Ja: ebenfalls sehr naheliegend
Für mich liegt der spannendste Bereich weniger im reinen Siegtipp und mehr in den Tor-Märkten. Havelse spielt fast zwangsläufig offen, weil nur ein Sieg richtig hilft. Stuttgart II bringt spielerische Qualität mit, verteidigt aber auswärts alles andere als souverän. Dazu passen die Saisonwerte beider Teams hervorragend. Havelse hat 50 Tore erzielt und 75 kassiert, Stuttgart II steht bei 43:56. Beide Mannschaften bringen also genügend Argumente für Tore auf beiden Seiten mit. Wer konservativer wetten will, fährt mit Über 2,5 Tore oder Beide Teams treffen deutlich sicherer als mit einer blanken Ergebniswette.
Übertragung & Livestreams
Angepfiffen wird die Partie am Sonntag, 26.04.2026, um 19:30 Uhr im Eilenriedestadion in Hannover. In den bereitgestellten Spielinformationen ist die Begegnung zudem als Live-Spiel für Magenta Sport aufgeführt. Damit ist klar, dass das Kellerduell am späten Sonntagabend in einem eigenen Zeitfenster stattfindet und gerade im Abstiegskampf besondere Aufmerksamkeit bekommt. Wer die Partie verfolgen möchte, sollte sich also den Sonntagabend um 19:30 Uhr vormerken, denn in dieser Begegnung dürfte es von der ersten Minute an um viel Druck, hohe Intensität und womöglich auch um einige Tore gehen.


