| veröffentlicht am: 24.04.26
3 Min. Lesezeit

Kommentar: Warum Matthias Ginter unbedingt mit zur WM muss!

Kommentar: Warum Matthias Ginter unbedingt mit zur WM muss!

Ein Kommentar von Redakteur Tom Meisfeldt

Es gibt diese Phasen im Fußball, in denen sich die öffentliche Wahrnehmung hartnäckig weigert, mit der Realität Schritt zu halten. Eine solche Phase erleben wir aktuell bei Matthias Ginter. Während der Innenverteidiger des SC Freiburg seit Monaten Woche für Woche auf höchstem Niveau performt, wird er vom Bundestrainer konsequent ignoriert. Das ist nicht nur schwer nachvollziehbar – es ist ein sportlicher Irrwitz.

Ginter steht sinnbildlich für das, was einer Nationalmannschaft auf Turnierniveau so oft fehlt: Verlässlichkeit. Keine spektakulären Aussetzer, keine unnötigen Risiken, dafür ein nahezu fehlerfreies Stellungsspiel, saubere Spieleröffnung und beeindruckende Ruhe am Ball.

Wer ihn zuletzt im DFB-Pokalspiel in Stuttgart gesehen hat, konnte einmal mehr feststellen, wie souverän er selbst unter Druck agiert. Solche Auftritte sind bei ihm längst keine Ausnahme mehr, sondern die Regel.

Weltklasse im Schatten der Debatte

Es ist fast paradox: Während andere Innenverteidiger aufgrund ihres Potenzials oder ihrer Physis immer wieder in den Fokus rücken, liefert Ginter einfach ab – still, effizient und auf konstant hohem Niveau. Ob in der Bundesliga oder auf internationaler Bühne in der Europa League: Der Freiburger ist einer der stabilsten Verteidiger Europas.

Seine Leistungen lassen sich nicht mehr mit „guter Form“ erklären. Das ist kein kurzer Lauf, kein Zufallsprodukt. Ginter spielt seit Monaten auf Weltklasse-Niveau. Er liest das Spiel herausragend, antizipiert Situationen, bevor sie entstehen, und trifft nahezu immer die richtige Entscheidung. Genau diese Eigenschaften sind es, die in engen Turnierspielen den Unterschied ausmachen.

Die Konkurrenz schwankt

Der Blick auf die vermeintlich gesetzten Innenverteidiger der Nationalmannschaft macht die Personalie Ginter noch brisanter. Antonio Rüdiger, zweifellos mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestattet, leistet sich immer wieder riskante Aktionen und Konzentrationsfehler. Nico Schlotterbeck schwankt zwischen herausragenden Spielen und Phasen, in denen ihm die Stabilität komplett abhandenkommt. Und auch Jonathan Tah zeigt zwar starke Ansätze, ist aber ebenfalls nicht frei von Formschwankungen.

Das Problem ist nicht, dass diese Spieler Qualität haben – die haben sie ohne Frage. Das Problem ist ihre Inkonstanz. Genau hier sticht Ginter heraus. Während andere zwischen Genie und Risiko pendeln, liefert er Woche für Woche ein hohes Grundniveau. Für ein Turnier, bei dem jeder Fehler das Aus bedeuten kann, ist das ein unschätzbarer Vorteil.

Erfahrung trifft Reife

Hinzu kommt ein Faktor, der oft unterschätzt wird: Erfahrung. Ginter ist kein Neuling auf internationalem Parkett. Er hat bereits große Turniere gespielt, kennt den Druck und weiß, wie man mit ihm umgeht. Gleichzeitig befindet er sich in einem Alter, in dem Erfahrung und körperliche Leistungsfähigkeit ideal zusammenkommen.

Er ist gereift, wirkt abgeklärter denn je und strahlt genau die Souveränität aus, die eine Abwehrreihe braucht. Es geht nicht nur darum, Zweikämpfe zu gewinnen – es geht darum, eine Defensive zu organisieren, Ruhe auszustrahlen und Fehler anderer auszubügeln. Genau das bringt Ginter aktuell in Perfektion mit.

Ein blinder Fleck im System Nagelsmann

Dass Julian Nagelsmann diese Entwicklung bislang ignoriert, wirft Fragen auf. Natürlich hat jeder Trainer seine Vorstellungen, seine Hierarchien und sein System. Doch ein so klarer Leistungsunterschied darf nicht übersehen werden. Nationalmannschaft sollte immer nach dem Leistungsprinzip funktionieren – und aktuell führt kein Weg an Matthias Ginter vorbei.

Die Diskussion darf nicht länger von Namen oder vergangenen Verdiensten geprägt sein. Es geht um die Gegenwart. Und in dieser Gegenwart ist Ginter der stabilste, konstanteste und kompletteste deutsche Innenverteidiger.

Ginter zur WM: Kein Risiko, sondern Pflicht

Die Nominierung von Matthias Ginter wäre kein Experiment. Sie wäre die logische Konsequenz seiner Leistungen. In einer Mannschaft, die zuletzt immer wieder defensive Unsicherheiten gezeigt hat, könnte er zum entscheidenden Stabilitätsfaktor werden.

Wer bei einem großen Turnier bestehen will, braucht keine Schönwetterspieler, sondern verlässliche Säulen. Matthias Ginter ist genau das – und deshalb gehört er zur WM. Ohne Wenn und Aber.