| veröffentlicht am: 10.06.26
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Sport1 ist pleite: Wird jetzt der “Doppelpass” eingestellt?

Sport1 ist pleite: Wird jetzt der “Doppelpass” eingestellt?

Der legendäre Sonntagmorgen-Talk “Doppelpass” gehört für Millionen deutsche Fußballfans zum festen Wochenendritual: Frischer Kaffee, das Phrasenschwein auf dem Tisch und hitzige Diskussionen über die Bundesliga. Doch diese Ära könnte bald schlagartig enden. Dem Sportsender Sport1 steht das Wasser wirtschaftlich bis zum Hals. Die finanzielle Krise hinter den Kulissen des Ismaninger Senders hat dramatische Ausmaße angenommen. Wenn nicht schnell ein Wunder geschieht, droht der Kultsendung “Doppelpass” das endgültige Aus.

Ein Blick in die aktuellen Bilanzen und Berichte offenbart das ganze Desaster des Traditionssenders, der einst als DSF (Deutsches SportFernsehen) startete. Der Firmenwert von Sport1 wurde in jüngsten Bewertungen faktisch auf null Euro herabgestuft.

Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist bittere Realität: Jahrelange Management-Fehler, wegbrechende Werbeeinnahmen und die erdrückende Konkurrenz durch Streaming-Giganten haben den Sender tief in die roten Zahlen getrieben. Millionen von Schulden lasten wie ein Mühlstein auf dem Medienunternehmen.

Werbemarkt ist eingebrochen

Das fundamentale Problem liegt im Geschäftsmodell. Sport1 finanzierte sich über Jahrzehnte hinweg maßgeblich durch klassische TV-Werbung, Gewinnspiele und Teleshopping-Strecken in der Nacht. Doch der Werbemarkt im Free-TV bricht seit Jahren ein, junge Zielgruppen wandern ins Internet ab und die Einnahmen aus den berüchtigten nächtlichen Call-In-Shows sind längst versiegt. Gleichzeitig sind die Kosten für Sportrechte explodiert.

Ohne attraktive Live-Rechte verliert ein Sportsender jedoch seine Daseinsberechtigung. Ein Teufelskreis, aus dem sich das Management bislang nicht befreien konnte.

Schlechte Stimmung bei den Mitarbeitern

Auch der Einstieg des türkischen Medienunternehmers Acun Ilıcalı, der im vergangenen Jahr über seine Firma Acun Medya Anteile erwarb, brachte bisher nicht die erhoffte finanzielle Wende. Zwar versprach man sich durch internationale Reality-Formate neue Impulse und frisches Kapital, doch die Kernmarke Sport leidet weiterhin massiv.

Stattdessen bestimmen Sparprogramme, Stellenabbau und massive Restrukturierungen den Alltag in Ismaning. Die Stimmung unter den Mitarbeitern gilt als historisch schlecht; die Angst vor betriebsbedingten Kündigungen und der endgültigen Abwicklung des Senders wächst täglich.

Ist der “Doppelpass” zu teuer?

Sollte Sport1 tatsächlich Insolvenz anmelden müssen, wäre der “Doppelpass” das prominenteste Opfer. Die Sendung ist zwar nach wie vor das unangefochtene Flaggschiff des Senders und holt verlässliche Quoten, doch ein einzelnes Format kann keinen gesamten TV-Sender querfinanzieren.

Im Gegenteil: Die Produktion im Münchner Airport Hilton Hotel verschlingt trotz Einsparungen erhebliche Summen. Moderatoren, Experten, Produktionsteams und die Logistik rund um die Live-Übertragung müssen bezahlt werden. Bricht das Fundament – also der Sender Sport1 selbst – zusammen, gibt es auch für den “Doppelpass” keine Plattform mehr.

Zwar gäbe es theoretisch die Option, dass ein anderer Sender oder ein Streamingdienst das Kult-Format übernimmt. Doch die Markenrechte liegen tief verankert in der Sport1-Struktur. Eine Abwicklung des Senders würde langwierige juristische Prozesse nach sich ziehen.

Für die Fans bedeutet das: Die Gefahr, dass der “Doppelpass” bald ersatzlos vom Bildschirm verschwindet, war noch nie so real wie heute. Dem Sender steht das Wasser finanziell bis zum Hals, und ohne radikale Rettungsmaßnahmen verliert die deutsche Fußball-Landschaft eine ihrer langlebigsten Institutionen. Das Phrasenschwein könnte schon bald für immer leer bleiben.