| veröffentlicht am: 06.05.26
3 Min. Lesezeit

Wucher bei WM-Tickets: Infantino und seine zynische Begründung

Wucher bei WM-Tickets: Infantino und seine zynische Begründung

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird sportlich ein Superlativ: 48 Teams, drei Gastgeberländer, ein gigantisches Turnier. Doch abseits des Platzes wächst der Unmut – vor allem über die Ticketpreise.

Jetzt steht FIFA-Präsident Gianni Infantino erneut in der Kritik, weil er die aus Fan-Sicht absoluten Wucherpreise nicht nur verteidigt, sondern mit einer Begründung rechtfertigt, die viele als zynisch empfinden.

Rekordpreise für die WM 2026

Schon seit Monaten sorgt die Preisgestaltung für die WM-Tickets für heftige Diskussionen. Für einzelne Spiele werden teilweise mehrere tausend Dollar fällig, beim Finale liegen die teuersten Karten inzwischen bei rund 10.000 Dollar und mehr.

Auch für Gruppenspiele bewegen sich die Preise in einem Bereich, der für viele Fans kaum noch erschwinglich ist. Selbst günstigere Kategorien sind im internationalen Vergleich deutlich teurer als bei früheren Weltmeisterschaften.

Die Kritik: Die WM droht sich von einem globalen Fan-Event zu einem Luxusprodukt zu entwickeln.

Infantino: “Das ist eben der Markt”

FIFA-Präsident Gianni Infantino reagiert auf die Vorwürfe mit einer klaren, aber umstrittenen Argumentation. Bei einer Konferenz in den USA erklärte er sinngemäß, man müsse die Preise am „Markt der Unterhaltungsindustrie“ orientieren.

Seine zentrale Botschaft: Wer die Realität großer Sport- und Entertainment-Events in den USA kenne, wisse, dass Tickets auch dort oft mehrere hundert Dollar kosten – selbst für College-Sport.

Für Infantino ist die WM daher kein Sonderfall, sondern Teil eines globalen Entertainment-Marktes, in dem sich Preise nach Nachfrage und Zahlungsbereitschaft richten.

Zynischer Beigeschmack der Argumentation

Genau diese Haltung sorgt für massive Kritik. Denn viele Fans empfinden den Vergleich mit US-Entertainment als bewusst provokant – oder sogar zynisch.

Die Argumentation lautet im Kern:
Wenn Fans ohnehin hohe Preise aus anderen Bereichen akzeptieren, sei es nur logisch, diese Logik auch auf die WM zu übertragen.

Kritiker werfen Infantino vor, dabei den eigentlichen Charakter der Weltmeisterschaft zu ignorieren: ein globales Turnier, das ursprünglich für alle Fans zugänglich sein sollte – unabhängig vom Geldbeutel.

“Weiterverkauf rechtfertigt hohe Preise”

Ein weiterer Punkt in Infantinos Begründung ist der Ticket-Zweitmarkt. Die FIFA kalkuliere bewusst ein, dass zu günstige Tickets sofort weiterverkauft würden – oft zu deutlich höheren Preisen.

Das Argument: Wenn der Markt ohnehin extreme Preise erzeugt, könne die FIFA direkt selbst höhere Preise ansetzen.

Für viele Beobachter ist genau das der problematische Kern: Statt den Zugang für Fans zu schützen, werde die maximale Zahlungsbereitschaft abgeschöpft.

Fanproteste und juristischer Druck

Die Kritik bleibt nicht nur verbal. Fanorganisationen und Verbraucherschützer haben bereits Beschwerden bei der EU-Kommission eingereicht. Der Vorwurf: Die FIFA nutze ihre Monopolstellung aus und setze Fans unfairen Bedingungen aus.

Auch die Zahlen sorgen für Empörung: Finaltickets sollen teilweise ein Vielfaches früherer Weltmeisterschaften kosten. Für viele Anhänger ist das nicht mehr nachvollziehbar.

Zwischen Rekordnachfrage und sozialer Spaltung

Die FIFA verweist dagegen auf eine enorme Nachfrage: Hunderte Millionen Ticketanfragen weltweit sollen bereits eingegangen sein.

Doch genau dieser Erfolg wird zum Argument in beide Richtungen:

  • Für die FIFA ist es ein Beweis für die Attraktivität des Produkts.
  • Für Kritiker ein Zeichen dafür, dass Knappheit und Preise künstlich verstärkt werden.

WM zwischen Showbusiness und Fanverlust

Die Aussagen von Gianni Infantino zeigen vor allem eines: Die FIFA betrachtet die Weltmeisterschaft zunehmend als globales Premium-Event im Entertainment-Markt.

Für viele Fans wirkt diese Haltung jedoch wie eine Abkehr vom ursprünglichen WM-Gedanken. Statt Fußball für alle entsteht das Bild einer Veranstaltung, bei der der Geldbeutel über die Nähe zum Spiel entscheidet.

Die Debatte um Wucherpreise dürfte deshalb bis zum Turnierstart weiter eskalieren – und die Frage bleibt offen, wie viel WM für die Fans am Ende wirklich noch übrig bleibt.