Der letzte Grand Slam der Saison geht in seine entscheidenden 48 Stunden. Am Samstag spielen Aryna Sabalenka und Elena Rybakina um den Damentitel, am Sonntag treffen Alexander Zverev und Ben Shelton im Herrenfinale aufeinander – und dazwischen steht mit Kevin Krawietz und Tim Pütz ein deutsches Duo im Doppelendspiel. Wir ordnen die Favoritenrollen in beiden Wettbewerben ein, getrennt nach Herren und Damen.
Letzte Aktualisierung: 12. September 2026
Die Eckdaten
| Turnier | US Open 2026 |
| Kategorie | Grand Slam |
| Belag | Hartplatz (outdoor, Laykold) |
| Hauptfeld | 30. August bis 13. September 2026 |
| Ort | USTA Billie Jean King National Tennis Center, Flushing Meadows, New York |
| Damen-Finale | Samstag, 12. September, 22:00 Uhr MESZ |
| Herren-Finale | Sonntag, 13. September, 20:00 Uhr MESZ |
| Herren-Doppel-Finale | Samstag, 12. September, 18:00 Uhr MESZ |
| Gesamtausschüttung | rund 108 Mio. US-Dollar Spieler-Compensation |
| TV Deutschland | Sky Sport Tennis, Sporteurope.TV |
Warum dieses Finalwochenende aus der Reihe fällt
Zwei Dinge machen dieses Turnierende ungewöhnlich. Erstens: Bei den Damen standen die vier topgesetzten Spielerinnen gemeinsam im Halbfinale – bei den US Open in der Open Era zuletzt 1975, bei einem Grand Slam überhaupt zuletzt in Wimbledon 2009. Es gab in New York also keinen einzigen Ausrutscher der Spitze, was die Aussagekraft des Endspiels erhöht.
Zweitens: Bei den Herren ist die gewohnte Hierarchie zerbrochen. Jannik Sinner fehlte verletzt komplett, Titelverteidiger Carlos Alcaraz kehrte nach langer Handgelenkspause zurück und scheiterte im Viertelfinale. Übrig blieben ein erstmals an Position eins gesetzter Alexander Zverev und ein US-Amerikaner, der über zwei Nächte hinweg das Turnier auf den Kopf gestellt hat.
Die Herren: Zverev gegen Shelton
Alexander Zverev geht als Nummer eins der Setzliste und als amtierender French-Open-Champion in das Finale – es ist das erste Grand-Slam-Turnier überhaupt, bei dem er an Position eins geführt wurde. Sein Weg nach New York war kein Spaziergang: Gegen Quentin Halys musste er in der zweiten Runde über fünf Sätze und 4:33 Stunden, danach fand er zunehmend Struktur und setzte sich gegen Alejandro Tabilo, Luciano Darderi und im Halbfinale gegen Karen Khachanov durch. Für ihn geht es um mehr als einen Titel: Ein Erfolg würde die jahrelange Debatte über seine Grand-Slam-Endspiele endgültig beenden.
Ben Shelton ist der emotionale Favorit und sportlich alles andere als ein Außenseiter. Der an acht gesetzte US-Amerikaner warf im Viertelfinale Titelverteidiger Alcaraz aus dem Turnier – in einer Partie, die um 3:33 Uhr endete und damit den spätesten Abschluss der Turniergeschichte markiert. Im rein amerikanischen Halbfinale gegen Frances Tiafoe hielt er anschließend im fünften Satz jedes eigene Aufschlagspiel. Sein Aufschlag ist die gefährlichste Waffe des Endspiels, und er hat knapp 24.000 Zuschauer im Arthur Ashe Stadium hinter sich. Seit Andy Roddicks US-Open-Titel 2003 hat kein US-Amerikaner mehr ein Grand-Slam-Turnier gewonnen – dieser Druck kann Antrieb oder Bremse sein.
Die Markteinschätzung sieht Zverev als leichten Favoriten. Das ist nachvollziehbar: Über fünf Sätze spricht die höhere Grundlinienkonstanz für den Deutschen, und Sheltons Spiel lebt von Spitzenwerten, die über vier Stunden schwerer zu halten sind. Das Gegenargument ist der Belag: Der Hartplatz in Flushing Meadows belohnt Aufschlagdominanz, und ein Shelton, der seinen Service durchbringt, verlagert das Match in Tiebreaks – und dort schrumpft jeder strukturelle Vorteil.
Die Damen: Sabalenka gegen Rybakina
Aryna Sabalenka kann als Erste seit Jahrzehnten drei US-Open-Titel in Serie gewinnen. Die topgesetzte Belarussin kam über Linda Nosková (nach abgewehrtem Rückstand im dritten Satz) und im Halbfinale über Jessica Pegula ins Endspiel. Ihr Spiel passt zu diesem Belag wie zu keinem anderen: hoher Aufschlagdruck, frühe Ballaufnahme, kompromissloses Grundlinienspiel. In New York hat sie in den vergangenen Jahren die höchste Trefferquote aller Spielerinnen im Feld.
Elena Rybakina kommt als neue Nummer eins der Welt ins Finale. Die Kasachin sicherte sich die Spitzenposition mit dem Viertelfinalsieg über Zheng Qinwen und schlug anschließend Coco Gauff. Für sie wäre es der erste US-Open-Titel – und die Bestätigung eines Jahres, das sie bereits mit dem Titel bei den Australian Open eröffnet hatte, ebenfalls im Finale gegen Sabalenka.
Damit ist die Ausgangslage klar umrissen: Es ist das dritte Endspiel dieser beiden auf der Tour in diesem Jahr. Rybakina gewann das erste in Melbourne, Sabalenka das zweite in Indian Wells. Wer den Vergleich lesen will, muss auf den Rückhandflügel schauen: Rybakinas flacher Schlag nimmt Sabalenka Zeit, Sabalenkas Rückschlagdruck zwingt Rybakina zu zweiten Aufschlägen – und genau dort entscheidet sich das Match statistisch.
Das deutsche Endspiel im Doppel
Vor dem Damenfinale steht am Samstag ein Endspiel mit direktem deutschem Bezug: Kevin Krawietz und Tim Pütz treffen im Herren-Doppel-Finale auf Christian Harrison und Neal Skupski. Das US-Paar setzte sich im Viertelfinale gegen Simone Bolelli und Andrea Vavassori in zwei Sätzen durch. Für die beiden Deutschen ist es die Chance auf den größten gemeinsamen Titel – und der Grund, warum sich für deutsche Zuschauer schon der Samstagnachmittag lohnt.
Die Turniersieg-Quoten
Die Quoten für beide Endspiele liegen deutlich enger beieinander, als es die Setzlisten vermuten lassen – bei den Herren, weil Sheltons Aufschlagspiel den Favoritenvorteil relativiert, bei den Damen, weil die direkte Bilanz der beiden Finalistinnen 2026 ausgeglichen ist.
| Wettbewerb | Auswahl | Referenzquote (ca.) | Buchmacher |
| Herren-Finale | Alexander Zverev | 1,45 – 1,55 | Interwetten / Tipico |
| Herren-Finale | Ben Shelton | 2,40 – 2,50 | Tipico |
| Damen-Finale | Aryna Sabalenka | 1,55 – 1,60 | Tipico / bet365 |
| Damen-Finale | Elena Rybakina | 2,20 – 2,35 | Interwetten / Tipico |
| Herren-Doppel | Krawietz / Pütz | 1,75 – 1,85 | Interwetten |
Quoten-Stand: 12. September 2026.
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