Prognosen sind wertlos, wenn sie sich hinter Formulierungen verstecken. Deshalb legen wir uns fest: Hier ist unsere komplette Abschlusstabelle für die Saison 2026/27 – mit Begründung, mit Risikoeinschätzung und mit der Bereitschaft, im Mai daran gemessen zu werden.
Letzte Aktualisierung: 22. Juli 2026
Unsere Prognose für die Abschlusstabelle
| Platz | Klub | Vorsaison |
|---|---|---|
| 1 | FC Bayern München | 1. (89 Pkt.) |
| 2 | Borussia Dortmund | 2. (73) |
| 3 | RB Leipzig | 3. (65) |
| 4 | Bayer Leverkusen | 6. (59) |
| 5 | VfB Stuttgart | 4. (62) |
| 6 | TSG Hoffenheim | 5. (61) |
| 7 | Eintracht Frankfurt | 8. (44) |
| 8 | SC Freiburg | 7. (47) |
| 9 | FC Schalke 04 | Aufsteiger |
| 10 | 1. FSV Mainz 05 | 10. (40) |
| 11 | FC Augsburg | 9. (43) |
| 12 | Hamburger SV | 13. (38) |
| 13 | 1. FC Union Berlin | 11. (39) |
| 14 | Borussia Mönchengladbach | 12. (38) |
| 15 | 1. FC Köln | 14. (32) |
| 16 | SV Werder Bremen | 15. (32) |
| 17 | SC Paderborn | Aufsteiger |
| 18 | SV Elversberg | Aufsteiger |
Die Spitze: Bayern ohne echte Gegenwehr
An Platz eins führt kein Weg vorbei. 89 Punkte, 86 Tore Differenz, 16 Zähler Vorsprung – die Vorsaison war keine knappe Angelegenheit, sondern eine Demonstration. Harry Kane traf 36-mal, die längste Siegesserie lag bei neun Spielen, die längste Serie ohne Niederlage bei 18.
Dortmund bleibt der logische Zweite: 73 Punkte, der zweitwertvollste Kader, Kontinuität unter Niko Kovac. Das Problem war nie die Qualität, sondern die Konstanz gegen Mittelfeldteams.
Leipzig sehen wir trotz Trainerwechsel auf Rang drei – wenn auch mit dem größten Fragezeichen aller Topklubs. Ole Werner wurde im Juni entlassen, obwohl er mit 1,95 Punkten pro Spiel den besten Schnitt der RB-Bundesligahistorie erreichte. Martín Demichelis übernimmt ohne Bundesliga-Erfahrung als Cheftrainer. Das kann ein Schritt nach vorn sein – oder eine funktionierende Struktur zerstören.
Unsere mutigste These: Leverkusen zurück in die Top vier
Bayer wurde Sechster mit 59 Punkten – der Umbruch nach den Abgängen von Xabi Alonso, Florian Wirtz, Granit Xhaka und Jeremie Frimpong hat sichtbar Substanz gekostet.
Wir halten das für eine Übergangssaison, die vorbei ist. Die Tordifferenz von +21 war trotz Platz sechs die viertbeste der Liga – ein Hinweis darauf, dass die Mannschaft besser war, als die Tabelle zeigte. Wer eine Meistermannschaft komplett umbaut, braucht ein Jahr. Dieses Jahr ist um.
Riskant daran: Stuttgart und Hoffenheim standen zuletzt vor Leverkusen und müssen den Europapokal-Alltag verkraften. Wenn beide stabil bleiben, wird es eng.
Schalke auf Platz neun – warum wir uns das trauen
Ein Aufsteiger im oberen Mittelfeld ist eine steile Prognose. Drei Argumente dafür:
- Die Zweitligameister-Statistik: Von 2018 bis 2022 hielt jeder Meister die Klasse. Die Serie riss 2023 – ausgerechnet durch Schalke selbst.
- Der Wolfsburg-Effekt: Mit 234,6 Millionen Euro Kaderwert wäre der VfL ein übermächtiger Abstiegskonkurrent gewesen. Stattdessen kommen zwei Aufsteiger mit geringerem Etat.
- Die Arena: 62.271 Plätze sind im Abstiegskampf ein Faktor, den kein anderer Aufsteiger hat.
Dazu kommt die HSV-Lehre der Vorsaison: Hamburg galt als Top-Abstiegskandidat, KI-Modelle sahen ihn als Letzten – am Ende wurde es Platz 13. Aufsteiger werden systematisch zu niedrig eingeschätzt.
Das enge Mittelfeld: Wo unsere Prognose am unsichersten ist
Zwischen Platz 10 und 16 lagen in der Vorsaison nur acht Punkte – Mainz hatte 40, Bremen 32. In dieser Zone ist jede Prognose eine Momentaufnahme.
Bemerkenswert: Die Plätze 12 und 13 gingen bei Punktgleichheit (je 38) an Gladbach und den HSV, die Plätze 14 und 15 bei je 32 Punkten an Köln und Bremen. Vier Klubs, zwei Punktepaare, entschieden durch Tordifferenz.
Für 2026/27 heißt das: Wer hier eine exakte Reihenfolge prognostiziert, tut so, als wäre Fußball berechenbar. Unsere Einordnung basiert auf Tordifferenz und struktureller Stabilität – nicht auf der Illusion von Präzision.
Unten: Warum wir Bremen vor Schalke sehen
Bremen und Köln hatten in der Vorsaison beide 32 Punkte. Der Unterschied liegt in der Tordifferenz: Köln –14, Bremen –23. Bremen kassierte deutlich mehr Gegentore und rettete sich mit einem Polster, das kaum vorhanden war.
Wer zwei Jahre in Folge nur knapp entkommt, hat meist ein strukturelles Problem. Genau deshalb sehen wir Bremen auf dem Relegationsplatz und nicht Schalke.
Bei den Aufsteigern folgen wir der naheliegenden Logik: Elversberg hat mit rund 28 Millionen Euro den niedrigsten Kaderwert der Liga, Paderborn mit etwa 40 Millionen den zweitniedrigsten. Beide werden über Kompaktheit und Standards punkten müssen – Paderborn hatte mit 22 Standardtoren den Zweitliga-Bestwert.
Was diese Prognose für Wetten bedeutet
Drei Ableitungen:
- Platzierungsmärkte schlagen Titelmärkte. Bayern bei 1,15 ist keine Wette. Top-2 auf Dortmund (~1,80) oder Top-4 auf Leverkusen bieten deutlich besseres Verhältnis.
- Der Schalke-Klassenerhalt ist unser Value-Tipp. Der Markt preist Aufsteiger schematisch ein, die Daten sprechen dagegen.
- Vorsicht bei exakten Platzierungswetten im Mittelfeld. Acht Punkte auf sieben Plätze bedeuten, dass ein einziger Spieltag die Reihenfolge dreht.
Wir werden diese Prognose im Mai 2027 überprüfen – öffentlich und mit allen Fehlern.
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