Jan Rademeister
| veröffentlicht am: 12.09.26
geprüft von Thoralf Müller | 4 Min. Lesezeit

Unentschieden Systemwette: Strategie, Rechenbeispiel und die Trefferquote, die du brauchst

Unentschieden Systemwette: Strategie, Rechenbeispiel und die Trefferquote, die du brauchst

Die Unentschieden Systemwette ist eine der bekanntesten Strategien überhaupt: Man tippt in mehreren Spielen auf Remis und verteilt das Risiko über ein System, weil Unentschieden hohe Quoten bringen und einzeln schwer zu treffen sind. Die Idee klingt schlüssig. Ob sie sich rechnet, entscheidet eine einzige Zahl – die Trefferquote.

Inhaltsverzeichnis

  • Warum Unentschieden für Systemwetten beliebt sind
  • Der Aufbau: 2 aus 4 mit Remis-Tipps
  • Rechenbeispiel mit 30 Euro Einsatz
  • Die Trefferquote, die du brauchst
  • Meine Einschätzung
  • Häufige Fragen

Warum Unentschieden für Systemwetten beliebt sind

Drei Gründe machen das Remis für diesen Ansatz attraktiv:

  • Hohe Quoten. Ein Unentschieden liegt selbst bei ausgeglichenen Partien meist zwischen 3,20 und 3,60.
  • Stabile Grundrate. Über eine ganze Saison enden in den großen europäischen Ligen etwa ein Viertel bis knapp ein Drittel aller Spiele remis.
  • Wenig Publikumsgeld. Auf das Unentschieden setzt kaum jemand aus Sympathie – die Quote wird seltener durch Fanwetten verzerrt als der Favoritensieg.

Der Haken: Einzeln getroffen wird das Remis selten. Genau deshalb landen viele bei einer Unentschieden Systemwette, die mehrere Spiele gleichzeitig abdeckt.

Der Aufbau: 2 aus 4 mit Remis-Tipps

Der gängigste Aufbau sind vier Remis-Tipps im System 2 aus 4. Daraus entstehen sechs Zweierkombinationen:

  • A+B, A+C, A+D
  • B+C, B+D
  • C+D

Zwei Treffer genügen, damit eine Reihe aufgeht.

Rechenbeispiel mit 30 Euro Einsatz

Vier Remis-Tipps, jeweils Quote 3,40. Gesamteinsatz 30 Euro, also 5 Euro pro Reihe. Eine Zweierkombination hat die Quote 3,40 × 3,40 = 11,56, eine gewinnende Reihe zahlt also 57,80 Euro.

Richtige Tipps Gewinnende Reihen Auszahlung Ergebnis
4 von 4 6 346,80 € +316,80 €
3 von 4 3 173,40 € +143,40 €
2 von 4 1 57,80 € +27,80 €
1 von 4 0 0,00 € −30,00 €
0 von 4 0 0,00 € −30,00 €

Das sieht gut aus: Schon zwei Treffer bringen fast den Einsatz als Gewinn dazu. Die Frage ist nur, wie oft zwei von vier Remis-Tipps aufgehen.

Die Trefferquote, die du brauchst

Rechnen wir mit einer realistischen Remis-Grundrate von 26 Prozent pro Spiel. Dann ergibt sich für vier unabhängige Tipps:

Treffer Wahrscheinlichkeit
0 von 4 30,0 %
1 von 4 42,1 %
2 von 4 22,2 %
3 von 4 5,2 %
4 von 4 0,5 %

In 72 Prozent aller Fälle ist der Schein also komplett verloren. Der rechnerische Rückfluss liegt bei rund 23,40 Euro pro 30 Euro Einsatz – ein Minus von etwa 22 Prozent.

Der Grund dafür ist der wichtigste Satz zu allen Systemwetten: Eine Kombination multipliziert den Nachteil. Ein einzelner Remis-Tipp mit 26 Prozent Trefferwahrscheinlichkeit und Quote 3,40 liefert 0,26 × 3,40 = 0,884 pro Euro, also minus 11,6 Prozent. Eine Zweierkombination liefert 0,884 × 0,884 = 0,781, also minus 21,9 Prozent.

Damit ist klar, wo die Grenze liegt: Die Unentschieden Systemwette funktioniert nur, wenn deine tatsächliche Remis-Trefferquote deutlich über der impliziten Wahrscheinlichkeit der Quote liegt. Bei Quote 3,40 sind das 29,4 Prozent – du müsstest also verlässlich über 30 Prozent treffen.

Meine Einschätzung: die Spielauswahl entscheidet, nicht das System

Ich halte den Ansatz für grundsätzlich vernünftig und die übliche Umsetzung für falsch herum gedacht.

Vernünftig ist er, weil der Remis-Markt tatsächlich weniger effizient ist als der Siegmarkt. Falsch herum ist die Umsetzung, weil das System als Kern der Strategie behandelt wird. Das ist es nicht. Das System verteilt nur, was die Spielauswahl vorher entschieden hat – und verteuert es dabei.

Wer diesen Ansatz ernsthaft spielen will, sollte zwei Dinge tun. Erstens die Spielauswahl schärfen: torarme Partien, ausgeglichene Tabellennachbarn, Teams mit hoher Remisquote, keine Spiele mit klarem Favoriten. Zweitens die Tipps einzeln setzen statt im System. Vier Einzelwetten zu je 7,50 Euro haben denselben Erwartungswert wie die vier Tipps – aber ohne den quadrierten Nachteil der Kombireihen.

Wie du prüfst, ob deine Remis-Auswahl wirklich besser ist als der Markt, steht im Ratgeber zum Closing Line Value.

Häufige Fragen zur Unentschieden Systemwette

Welches System eignet sich am besten für Remis-Tipps? 2 aus 4 oder 2 aus 5. Bei höheren Mindesttreffern wird die Schwelle bei Remis-Wahrscheinlichkeiten unrealistisch hoch.

Wie hoch ist die Remis-Quote in europäischen Ligen? Je nach Liga und Saison etwa 22 bis 30 Prozent. Torarme Ligen liegen am oberen Ende.

Reicht ein Treffer bei 2 aus 4? Nein. Es müssen mindestens zwei Tipps aufgehen, sonst zahlt keine Reihe aus.

Sind Remis-Wetten in Livewetten besser? Sie werden dort teurer, sobald ein Tor fällt. Ein Vorteil entsteht höchstens vor Anpfiff.

Das Wichtigste in Kürze

Die Unentschieden Systemwette verteilt mehrere Remis-Tipps über Kombireihen und zahlt bei 2 aus 4 schon ab zwei Treffern aus. Bei einer Grundrate von 26 Prozent ist der Schein aber in rund 72 Prozent der Fälle komplett verloren. Entscheidend ist nicht das System, sondern ob deine Remis-Trefferquote über der impliziten Wahrscheinlichkeit der Quote liegt.


18+ | Glücksspiel kann süchtig machen. Spiele verantwortungsbewusst. Hilfe unter buwei.de oder kostenlos bei der BZgA-Hotline 0800 1 372 700.