Anders als in vielen anderen EU-Ländern gehören Sportwetten in Österreich offiziell nicht zu den Glücksspielen. Sie werden den Geschicklichkeitsspielen zugeordnet und diese Entscheidung wurde bislang durch OGH-Urteile immer wieder gestützt. Diese Einstufung sorgt für einen Sonderweg in der EU und schützt den Markt vor eventuellen Monopolansprüche.
Obwohl es viel Kritik an der Regelung gibt, bleibt sie weiterhin bestehen, um unter anderem die Rechtssicherheit und Brancheninteressen zu wahren. Das EU-Recht sieht es übrigens anders und stuft Wetten als Glücksspiel ein. Österreich möchte sich dem nicht anschließen und sieht es differenzierter. Ist eine Änderung überhaupt denkbar?
Österreich geht mit Glücksspielen einen Sonderweg
Für Österreich ist Glücksspiel aus verschiedenen Gründen ein wichtiges Thema. Ein Teil der staatlichen Einnahmen wird jedes Jahr durch Glücksspiele generiert, allerdings schöpft das Land sein Potenzial nicht vollständig aus. Das zeigt sich einerseits bei der nach wie vor geltenden Monopolstellung der Casinos Austria AG und andererseits bei der Einstufung von Sportwetten als Geschicklichkeitsspiele.
Mit dem Glücksspielmonopol verhindert Österreich, dass seriöse Casinos aus dem EU-Ausland am Markt teilnehmen können. Zur Verdeutlichung des Marktwachstums findet sich bei Casino Groups eine Übersicht der in Europa bekannten und aktiven Gruppen. Die Vielfalt beweist, wie stark Österreich von einer Marktöffnung profitieren könnte und wie viele potenzielle Anwärter auf eine Lizenz es gibt.
Die Einstufung von Wetten als Geschicklichkeitsspiel sorgt im EU-Ausland für Erstaunen. Seit 1989 wird in Deutschland zwischen Länderrecht (im Wettbereich) und Bundesrecht (im Glücksspielbereich) getrennt. Mögliche Reformen sind bislang immer wieder an Koalitionsstreitigkeiten gescheitert.
Gründe für die Einstufung werden vor allem darin gesucht, dass Wettspieler Quoten und Statistiken analysieren müssen und damit mehr Talent benötigen, als beim Roulette. Wirtschaftlich zahlt sich der Bereich aus, die Einnahmen bei Sportwetten lagen 2021 bei rund 378 Millionen Euro. Im Vergleich dazu lagen die Einnahmen bei Video-Lotterie-Geräten bei rund 313 Millionen Euro.
OGH-Urteil bestätigt Österreichs Einstufung von Sportwetten
Ein Urteil des OGH untermauerte die Einordnung Österreichs bezüglich Sportwetten indirekt. Dem OGH lag eine Klage eines Spielers vor, der während einer Sportveranstaltung an Over/Under-Wetten teilnahm.
Nach dem Spiel wollte er seine Einsätze zurück und verklagte den Anbieter. Der Kläger gab in seiner Klage wohl an, dass die Ergebnisse bei Sportwetten zufallsbasiert seien, was durch den OGH nicht bestätigt wurde. Sportwetten würden zwar teilweise auch Zufallselemente nutzen, basieren aber tatsächlich auf Kenntnissen des Teilnehmers, Wetterbedingungen, Wissen über das Team und Analysefähigkeiten.
Für die Anbieter von Sportwetten war das Urteil ein Grund zur Freude. Der OGH habe mit dieser Entscheidung eine Trennung zwischen Glücksspielen und Sportwetten vollzogen. Damit dürfte auch klar sein, dass es in naher Zukunft keine relevanten Änderungen geben wird. Lediglich im Rahmen einer großen Reform könnte man in Österreich noch einmal über die Einstufung und die Rechtmäßigkeit nachdenken.
Wer will überhaupt eine Reform bei Sportwetten?
Solange die Sportwette nicht offiziell als Glücksspiel gilt, wird die Besteuerung nicht angehoben. Kein Wunder also, dass Betreiber den Status Quo gern beibehalten würden. Stellt sich nur die Frage, warum trotzdem immer wieder über eine Reform des Gesetzes diskutiert wird.
Grund hierfür sind Experten von Fachstellen und Suchtberatungen, die eine klare Einstufung als Glücksspiel fordern. Der jetzige Status sorgt nicht nur für weniger steuerliche Einnahmen, sondern erschwert auch die Suchtprävention.
Zuständige Suchthilfeeinrichtungen fordern schon seit Jahren Veränderung und sind über das Urteil des OGH nicht glücklich. Psychologen sind überzeugt, dass Sportwetten ein ähnlich hohes Suchtpotenzial wie klassische Automatenspiele mitbringen und daher Schutz zwingend nötig ist.
In der gesamten EU sieht man das ähnlich und behandelt Wetten wie Automatenspiele. Der Sonderweg Österreichs führt zu Unverständnis und für betroffene Tipper zu Problemen. Es können keine offiziellen Spielerschutzregeln erlassen werden, wenn Sportwetten nicht umdeklariert werden.
Offener Brief fordert klare Änderungen
2024 wandte sich die österreichweite Plattform aus Organisationen rund um Suchtprävention und Selbsthilfegruppen mit einem offenen Brief an die Politik. Es wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass von Sportwetten ein hohes Suchtpotenzial ausgehe und dass negative Auswirkungen auf Teilnehmer zu erwarten seien.
Insbesondere wies man auf die Auswirkung großer Sportereignisse wie Welt- und Europameisterschaften hin, denn diese beeinflussen das Wettverhalten der Österreicher deutlich. Da parallel zu solchen Ereignissen stark auf Werbung gesetzt wird, sei die Gefahr besonders hoch.
Die Forderungen umfassten unter anderem diese Punkte:
- Anerkennung von Sportwetten als Glücksspiel mit daraus resultierender gesetzlicher Regelung und Besteuerung.
- Implementierung branchenübergreifender Schutzsysteme und Altersprüfungssysteme plus zusätzlich Zeit- und Verlustlimits zum Schutz der Spieler.
- Zweckgebundene Verwendung von Steuereinnahmen zur Behandlung von Spielsucht und für Präventionsmaßnahmen sowie zur Unterstützung des Sports selbst.
- Werberegulierung mit Zielgruppenbegrenzungen, ähnlich wie im klassischen Glücksspiel.
- Einbindung von Experten in Beiräte und Ausschüsse, um das Thema Suchtbehandlung in Reformen stärker zu positionieren.
Man wies auf die zunehmende Verbreitung von Spielsucht und problematischem Verhalten durch Sportwetten hin und forderte eine entschiedene Positionierung durch die Politik. Nur so sei es möglich, die negativen Folgen einzudämmen und das Wohlbefinden der Gesellschaft sicherzustellen.
Derzeit keine Änderung in Sicht
Der offene Brief erreichte die Politik bereits 2024, allerdings ist auch Stand 2026 keine weitreichende Änderung in Sicht. Aktuell wird politisch über eine Reform des Glücksspielgesetzes diskutiert, hierbei geht es allerdings in erster Linie um die Monopolstellung durch die Casinos Austria AG.
Es ist der zweite Sonderweg, den Österreich im Vergleich mit der EU geht. Während in immer mehr Ländern ein liberalisierter Markt zu besserer Kontrolle und mehr steuerlichen Einnahmen führt, setzt Österreich weiterhin auf das Monopol. Dieses Vorgehen ist ganz im Sinne der Casinos Austria AG, die sich als Hauptprofiteur der Regelung sehen kann.
Durch Vorstöße der Neos wird nun aber zumindest über eine Marktöffnung diskutiert. Zwar deutet ein vorliegender Gesetzentwurf darauf hin, dass das Monopol auch über 2027 hinaus bestehen bleibt, die Neos werden hier aber Änderungswünsche äußern. Man strebt seitens der Partei ein offenes System an, denkbar wäre hier eine Option wie in Dänemark.
Die Lizenzvergabe könnte dann kontrolliert über eine zuständige Behörde erfolgen und auch Anbieter aus dem EU-Ausland berücksichtigen. Ob es dazu kommt, ist Stand Januar 2026 noch unsicher. Ebenso unklar ist, ob im Zuge der Diskussionen auch noch einmal über das Thema Sportwetten gesprochen wird. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre der Schritt sinnvoll, denn die Steuereinnahmen wären für Österreich ein echtes Plus.

