Es ist eine Nachricht, die bei vielen deutschen Fußballfans für Ernüchterung sorgt: Wenn am 11. Juni die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko angepfiffen wird, bleibt die berühmteste Partymeile des Landes leer. Anders als bei den vergangenen Turnieren wird es auf der Straße des 17. Juni zwischen der Siegessäule und dem Brandenburger Tor kein offizielles Public Viewing geben.
Die Hauptstadt bricht damit mit einer jahrzehntelangen, liebgewonnenen Tradition, die das Bild von Fußball-Großereignissen in Deutschland entscheidend geprägt hat. Doch wie konnte es dazu kommen?
Ein Behörden-Irrtum sorgt für Verwirrung
Für großes Erstaunen sorgte im Vorfeld das kommunikative Durcheinander auf dem offiziellen Stadtportal Berlin.de. Monatelang war dort im Veranstaltungskalender eine Fanmeile vage angekündigt worden. Fußballbegeisterte wähnten sich bereits in Vorfreude, als plötzlich die Rolle rückwärts folgte. Das Portal versah den Eintrag eilig mit dem Vermerk „Korrektur“ und stellte klar: „Zur WM 2026 ist jedoch keine Fanmeile geplant.“
Wie Recherchen zeigten, handelte es sich bei der ursprünglichen Ankündigung schlicht um einen Fehler. Das zuständige Bezirksamt Mitte fiel aus allen Wolken und erklärte, von einer solchen Fanmeile zu keinem Zeitpunkt etwas gewusst zu haben. Auch die Senatskanzlei bestätigte schließlich, dass das Event niemals konkret in der Planung war. Es war also keine kurzfristige Absage, sondern ein klassisches Missverständnis in den Berliner Behörden.
Fehlende Veranstalter und das finanzielle Risiko
Der Hauptgrund für das Ausbleiben der Fanmeile ist jedoch rein wirtschaftlicher Natur: Es hat sich schlicht kein privater Veranstalter gefunden, der bereit war, das finanzielle Risiko für ein Event dieser Größenordnung zu tragen. Ein Sprecher der Senatskanzlei erklärte, dass sich auf die Ausschreibungen kein Betreiber gemeldet habe.
Die Kosten für Sicherheit, die riesigen Leinwände, die Logistik und das Eventmanagement am Brandenburger Tor sind gigantisch. Bei früheren Turnieren refinanzierte sich dies durch Sponsoren, Medienrechte und den Verkauf von Speisen und Getränken. Für das Jahr 2026 schreckten die potenziellen Partner jedoch zurück – und das hat vor allem mit dem Spielplan zu tun.
Die Krux mit den Zeitzonen
Die Weltmeisterschaft findet auf der anderen Seite des Atlantiks statt. Für deutsche Fans bedeutet das: Ungewohnte und teils extrem späte Anstoßzeiten. Zwar spielt das deutsche Team im Auftaktmatch gegen Curaçao um komfortable 19:00 Uhr deutscher Zeit. Die beiden folgenden Gruppenspiele gegen die Elfenbeinküste und Ecuador werden jedoch erst um 22:00 Uhr angepfiffen. Das Finale, die Halbfinals (21:00 Uhr) und das Spiel um Platz drei (23:00 Uhr) finden ebenfalls zu nachtschlafender Zeit statt. Andere K.-o.-Spiele laufen gar tief in der Nacht.
Für einen Veranstalter ist dieses Zeitfenster kalkulatorisches Gift. Bei Übertragungen, die erst weit nach Mitternacht enden, sinkt der Umsatz beim Bier- und Bratwurstverkauf drastisch, da viele Fans am nächsten Morgen arbeiten müssen. Zudem steigen die Kosten für nächtliches Sicherheitspersonal. Das Risiko, ein millionenschweres Verlustgeschäft einzufahren, war schlicht zu hoch.
Alternativen für Berliner Fußballfans
Ganz auf das gemeinsame Mitfiebern verzichten müssen die Berliner allerdings nicht. Zwar gibt es das monumentale „Sommermärchen“-Gefühl am Brandenburger Tor diesmal nicht, die Senatsverwaltung hat jedoch bereits frühzeitig Ausnahmeregelungen für den Lärmschutz in der Nacht erlassen. In der gesamten Stadt sind mehr als 24 alternative Public-Viewing-Orte, Biergärten und klassische Fußballkneipen vorbereitet, um die Spiele der Nationalmannschaft live zu übertragen – nur eben im kleineren, gemütlicheren Rahmen.

