Silverstone ruft: Nur eine Woche nach dem Österreich-Rennen gastiert die Formel 1 am Sonntag, dem 5. Juli 2026 (16:00 Uhr MESZ), auf einer der traditionsreichsten und schnellsten Strecken der Welt. Der Große Preis von Großbritannien ist das neunte Saisonrennen – und er kommt zur perfekten Zeit, denn der WM-Kampf verdichtet sich, Mercedes fährt in einer eigenen Liga, und Lewis Hamilton erwartet vor heimischem Publikum sein bislang emotionalstes Rennwochenende der Saison. Hier kommt die große Vorschau mit Streckenporträt, Historie, Favoriten, Storylines und aktuellem WM-Stand.
Silverstone: Die Wiege der Formel 1
Kaum eine Strecke ist so eng mit der Geschichte der Formel 1 verwoben wie Silverstone. Hier fand 1950 der allererste Weltmeisterschaftslauf der F1-Historie statt – der Große Preis von Großbritannien war damit die Geburtsstunde der Königsklasse, wie wir sie heute kennen. Die Strecke im ländlichen Northamptonshire entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Flugplatzes der Royal Air Force, der im Zweiten Weltkrieg als Bomberbasis diente. Das dreieckige Grundlayout der einstigen Start- und Landebahnen prägt den Kurs bis heute. Seit 1987 ist Silverstone ununterbrochen fester Austragungsort des britischen Grand Prix, nachdem sich das Rennen zuvor jahrzehntelang mit Aintree und Brands Hatch abgewechselt hatte.
Über die Jahrzehnte war Silverstone Schauplatz legendärer Momente: von Nigel Mansells beispielloser Aufholjagd 1987 über die großen Duelle der Schumacher-Ära bis zu Lewis Hamiltons Dominanz im vergangenen Jahrzehnt. Diese Historie und die enthusiastischen britischen Fans machen das Wochenende zu einem der emotionalsten im gesamten Kalender.
Die Strecke im Detail: Highspeed-Klassiker mit Kultkurven
Silverstone zählt zu den schnellsten und anspruchsvollsten Kursen im Kalender. Die wichtigsten Eckdaten:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Streckenlänge | 5,891 km |
| Kurven | 18 |
| DRS-Zonen | 2 |
| Rundenrekord (F1) | 1:27,097 |
| Erstes F1-WM-Rennen | 1950 |
| Fahrtrichtung | im Uhrzeigersinn |
Herzstück ist die legendäre Kurvenkombination Maggotts-Becketts-Chapel – eine fließende Hochgeschwindigkeitssequenz, die zu den größten Herausforderungen des gesamten Motorsports gehört. Hier entscheiden Aerodynamik, Abtrieb und der pure Mut des Fahrers über die Rundenzeit. Dazu kommen weitere Kultkurven: Abbey, die blitzschnelle Auftaktkurve, in der die Fahrer mit Vollgas ins Rennen starten; Copse, eine der schnellsten Kurven des Kalenders, die nahezu voll gefahren wird; und Stowe, ein klassischer Bremspunkt, der Überholmanöver ermöglicht. Kombiniert mit langen Vollgasabschnitten und zwei DRS-Zonen ergibt sich ein Kurs, der Autos mit hohem Abtrieb und exzellenter Balance bei hohem Tempo belohnt – genau die Eigenschaften, die den dominierenden Mercedes in dieser Saison auszeichnen.
Ein weiterer Faktor, den kein Fahrer und kein Team unterschätzt: das notorisch wechselhafte englische Wetter. Regen ist in Silverstone nie ausgeschlossen und kann das Feld gehörig durcheinanderwirbeln. Auch das Safety-Car ist hier ein häufiger Gast.
Rückblick: Das Regenchaos von 2025
Wie unberechenbar Silverstone sein kann, zeigte die Vorjahresausgabe eindrucksvoll. 2025 gewann Lando Norris seinen ersten Heim-Grand-Prix – in einem chaotischen Rennen mit wechselnden Wetterbedingungen und mehreren Safety-Car-Phasen. Oscar Piastri verlor den sicher geglaubten Sieg durch eine Zehnsekundenstrafe, die er sich während einer Safety-Car-Phase eingehandelt hatte. Für die größte Geschichte des Tages sorgte jedoch Nico Hülkenberg: Der deutsche Routinier kämpfte sich vom 19. Startplatz mit cleverer Strategie und starkem Racing im Regen auf Rang drei vor – sein erstes Podium in über 230 Grand-Prix-Starts und eines der emotionalsten Ergebnisse der jüngeren F1-Geschichte. Ausgerechnet Rekordsieger Lewis Hamilton stand dabei erstmals seit Jahren bei seinem Heimrennen nicht auf dem Treppchen und wurde Vierter.
Die Lehre aus 2025: In Silverstone ist selten etwas vorhersehbar. Wetter, Strategie und Safety-Car-Phasen können ein Rennen komplett auf den Kopf stellen – ein Aspekt, der auch die Prognose für 2026 spannend macht.
Der WM-Stand vor Silverstone

Die Fahrerwertung führt nach acht von 22 Rennen sensationell ein Rookie an: Kimi Antonelli. Der aktuelle Stand an der Spitze:
| Pos. | Fahrer | Team | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Kimi Antonelli | Mercedes | 171 |
| 2 | George Russell | Mercedes | 131 |
| 3 | Lewis Hamilton | Ferrari | 125 |
| 4 | Oscar Piastri | McLaren | 80 |
| 5 | Lando Norris | McLaren | 79 |
| 6 | Charles Leclerc | Ferrari | 79 |
| 7 | Max Verstappen | Red Bull | 73 |
| 8 | Isack Hadjar | — | 42 |
| 9 | Pierre Gasly | — | 41 |
| 10 | Liam Lawson | — | 30 |
Antonelli führt mit 40 Punkten Vorsprung – doch Russell hat mit seinem Sieg in Österreich den Rückstand verkürzt und sich an Hamilton vorbei auf Rang zwei geschoben. Zwischen Rang drei (Hamilton) und Rang sieben (Verstappen) ist das Feld eng beisammen, was jeden Punkt in Silverstone wertvoll macht.
Die Favoriten im Detail
Mercedes ist das klare Maß der Dinge. Die Silberpfeile haben sieben der bisherigen acht Rennen gewonnen, und Silverstone liegt dem Auto wie kaum eine zweite Strecke – historisch gewann Mercedes hier neun der letzten 13 Rennen. Ein Silberpfeil-Doppelsieg ist ein durchaus realistisches Szenario. Die spannende Frage ist die interne Hierarchie: Kimi Antonelli, der 20-jährige WM-Führende und Shootingstar der Saison, gegen George Russell, der mit dem Rückenwind seines Österreich-Sieges und als Brite vor heimischem Publikum hochmotiviert antritt. Beide haben das Zeug zum Sieg – und ein teaminternes Duell birgt immer auch Zündstoff.
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Ferrari ruht seine Hoffnungen vor allem auf Lewis Hamilton. Der siebenmalige Weltmeister ist mit neun Siegen der Rekordsieger von Silverstone und feierte in Barcelona seinen ersten Sieg im roten Auto. In Österreich kam er nach einem Strategie-Debakel allerdings nur auf Rang fünf und wartet noch auf sein erstes Podest 2026. Silverstone, seine Heimstrecke mit den Fans im Rücken, ist die perfekte Bühne für die Wende – kein Fahrer im Feld hat hier eine größere Erfolgsgeschichte. Teamkollege Charles Leclerc will ebenfalls angreifen und im engen WM-Mittelfeld Boden gutmachen.
Bei McLaren ruhen die Hoffnungen auf Lando Norris, der Silverstone zu seinen Lieblingsstrecken zählt, hier 2025 seinen ersten Heimsieg feierte und erneut auf einen Triumph vor eigenem Publikum brennt. Auch Oscar Piastri will nach zuletzt durchwachsenen Auftritten wieder angreifen. Beide könnten auf diesem Kurs näher an Mercedes heranrücken, zumal McLaren in der Vergangenheit auf Highspeed-Strecken stark war.
Nicht zu vergessen Max Verstappen: Im WM-Kampf ist der Red-Bull-Pilot als Siebter weit zurück, doch sein starker zweiter Platz in Österreich mit einem neuen Update macht Hoffnung, dass Red Bull den Anschluss an die Spitze noch nicht ganz verloren hat. Auf einer Strecke wie Silverstone, die sein Können in schnellen Kurven belohnt, ist er nie zu unterschätzen.
Die großen Storylines des Wochenendes
Drei Erzählstränge prägen das Rennen. Erstens das Mercedes-Duell: Antonelli gegen Russell – Rookie-Sensation gegen den ambitionierten Briten, teamintern und um jeden WM-Punkt. Wie geht das Team mit zwei siegfähigen Fahrern um, von denen einer die WM anführt und der andere vor heimischem Publikum fährt?
Zweitens Hamiltons Heimspiel: Kann der Rekord-Silverstone-Sieger im Ferrari vor eigenem Publikum endlich sein erstes Saison-Podest holen und den Frust von Österreich vergessen machen? Die emotionale Aufladung dieses Duells zwischen Hamilton und seiner Heimstrecke ist eines der Highlights des Wochenendes.
Und drittens die Frage, ob überhaupt jemand die Mercedes-Dominanz durchbrechen kann – sei es McLaren auf einem passenden Kurs, ein wiedererstarkter Verstappen oder schlicht das launische Silverstone-Wetter, das schon 2025 für ein denkwürdiges Chaos-Rennen sorgte.
Ausblick und Prognose
Alles deutet auf einen weiteren Mercedes-Erfolg hin, mit Antonelli und Russell als Topfavoriten auf den Sieg. Doch Silverstone ist eine Strecke, auf der Emotionen, Wetter und die schiere Geschwindigkeit für Unvorhersehbares sorgen können. Hamiltons Heimrennen, das brisante Mercedes-Duell und ein lauerndes McLaren-Duo versprechen ein hochspannendes neuntes Saisonrennen – mit möglicherweise wegweisender Bedeutung für den weiteren WM-Verlauf. Für die Fans ist eines sicher: Bei kaum einem anderen Rennen treffen Historie, Highspeed und Hochspannung so eindrucksvoll aufeinander wie in Silverstone.
Häufige Fragen zum Großbritannien-GP (FAQ)
Wann findet der Große Preis von Großbritannien 2026 statt? Das Rennen steigt am Sonntag, dem 5. Juli 2026, um 16:00 Uhr MESZ auf dem Silverstone Circuit. Das Qualifying ist am Samstag, dem 4. Juli, um 17:00 Uhr.
Wer ist Favorit in Silverstone? Mercedes dominiert die Saison mit sieben Siegen aus acht Rennen. WM-Leader Kimi Antonelli und sein Teamkollege George Russell gelten als Topfavoriten, dahinter lauert Rekordsieger Lewis Hamilton bei seinem Heimrennen.
Wie lang ist die Strecke in Silverstone? Der Silverstone Circuit ist 5,891 km lang, hat 18 Kurven und zwei DRS-Zonen. Der Rundenrekord in der Formel 1 liegt bei 1:27,097.
Gibt es 2026 einen Sprint in Silverstone? Nein. Silverstone ist 2026 ein reguläres Rennwochenende mit drei Freien Trainings, Qualifying am Samstag und Rennen am Sonntag. Der Sprint fand in der Vorwoche in Österreich statt.
Wer hält den Rekord für die meisten Siege in Silverstone? Lewis Hamilton ist mit neun Siegen der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte des Großen Preises von Großbritannien.
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