Jan Rademeister
| veröffentlicht am: 22.07.26
geprüft von Thoralf Müller | 4 Min. Lesezeit

Die drei Aufsteiger 2026/27: Wer hält die Klasse – und wer nicht?

Die drei Aufsteiger 2026/27: Wer hält die Klasse – und wer nicht?

Erstmals seit 2019/20 begrüßt die Bundesliga wieder drei Aufsteiger. Schalke 04 kehrt nach drei Jahren zurück, der SC Paderborn nach sechs – und die SV Elversberg feiert als 59. Klub der Bundesliga-Geschichte überhaupt ihre Premiere. Was die drei mitbringen, was der Wettmarkt ihnen zutraut und warum ein Aufsteiger deutlich unterschätzt wird.

Letzte Aktualisierung: 22. Juli 2026

Die drei Aufsteiger im Direktvergleich

Schalke 04 SC Paderborn SV Elversberg
Aufstiegsweg Zweitliga-Meister Relegation (vs. Wolfsburg) Platz 2
Kaderwert ~46 Mio. € ~40 Mio. € ~28 Mio. €
Trainer Miron Muslic Ralf Kettemann Vincent Wagner
Stadion Veltins-Arena (62.271) Home Deluxe Arena URSAPHARM-Arena
Bundesliga-Historie zuletzt 2022/23 zuletzt 2019/20 Debütant
Abstiegsquote mittleres Risiko hohes Risiko ~1,60 (Favorit)

Quoten-Stand: Anfang Juli 2026. Kaderwerte laut transfermarkt.de, Stand Saisonvorbereitung.

Schalke 04: Der unterschätzte Fall

Die Königsblauen kehren als souveräner Zweitligameister zurück – mit 70 Punkten und dem besten Kaderwert der drei Aufsteiger. Trainer Miron Muslic gelang in seiner ersten Saison der Durchmarsch, die Euphorie in Gelsenkirchen ist entsprechend groß.

Der Wettmarkt bepreist Schalke reflexhaft mit erhöhtem Abstiegsrisiko, wie es bei Aufsteigern üblich ist. Die Statistik spricht allerdings dagegen:

  • Von 2018 bis 2022 schaffte jeder Zweitligameister den Klassenerhalt
  • Die Serie riss ausgerechnet 2023 – mit Schalke
  • Danach hielten Heidenheim, St. Pauli und der 1. FC Köln jeweils die Klasse

Dazu kommt ein Faktor, der oft übersehen wird: Mit dem Abstieg des VfL Wolfsburg (Kaderwert 234,6 Millionen Euro, wertvollster Bundesliga-Absteiger aller Zeiten) ist ein potenziell übermächtiger Konkurrent aus dem Abstiegskampf verschwunden. Stattdessen trifft Schalke auf zwei Aufsteiger mit geringerem Kaderwert – und gewann in der Vorsaison alle vier Duelle gegen Elversberg und Paderborn.

Unsere Einschätzung: Schalke ist der wahrscheinlichste Klassenerhalt-Kandidat der drei. Die Veltins-Arena mit über 62.000 Plätzen ist im Abstiegskampf ein Faktor, den kein Aufsteiger sonst hat. Realistisch: Platz 13 bis 16.

SC Paderborn: Der mutige Minimalist

Paderborn setzte sich in der Relegation gegen Wolfsburg durch – und trägt damit statistisch ein höheres Risiko als ein souveräner Meister. Die Ostwestfalen kamen über die Hintertür, standen in der Vorsaison aber mit 17 Siegen nur knapp hinter Schalke.

Die Stärken sind klar benennbar:

  • Standards als Waffe: 22 Tore nach ruhendem Ball waren Zweitliga-Bestwert – jeweils zehn mehr als Elversberg und Hannover
  • Kopfballstärke: 14 Kopfballtore, 101 Kopfball-Torschüsse, jeweils Spitzenwert
  • Trainerkontinuität: Ralf Kettemann gilt als Entwickler junger Spieler

Die Schwächen ebenso: Dem Kader fehlt Bundesliga-Erfahrung in der Abwehr, im Tor muss Ersatz für Dennis Seimen gefunden werden, und im Angriff klafft ohne einen verlässlichen Torjäger eine Lücke.

Unsere Einschätzung: Paderborn wird viele Spiele offen gestalten, aber am Ende zu wenige Tore erzielen. Der Standard-Fokus kann in der Bundesliga funktionieren – Heidenheim hat es vorgemacht. Realistisch: Platz 15 bis 18.

SV Elversberg: Der Debütant mit dem Mini-Etat

Für die Saarländer geht ein Märchen weiter. Nach dem gescheiterten Relegationsanlauf 2025 gegen Heidenheim klappte es diesmal über Platz zwei – und Elversberg wird zum 59. Bundesliga-Klub der Geschichte.

Die nüchternen Zahlen sind allerdings unbarmherzig: Mit rund 28 Millionen Euro Kaderwert ist Elversberg das mit Abstand schwächste Team der Liga. Die URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde fasst einen Bruchteil dessen, was Konkurrenten aufbieten – die niedrigste Zweitliga-Zuschauerzahl der Vorsaison wurde ausgerechnet dort gemessen.

Was für Elversberg spricht: eine klare Spielidee unter Vincent Wagner, ein eingespieltes Kollektiv und die Erfahrung, in der Vorsaison die zweitbeste Offensive der Liga gestellt zu haben.

Unsere Einschätzung: Mit einer Abstiegsquote um 1,60 ist Elversberg der klare Markt-Favorit für den Gang zurück. Das ist nachvollziehbar, aber genau deshalb ohne Value. Realistisch: Platz 16 bis 18.

Was das für Wetten bedeutet

Drei Punkte, die aus der Konstellation folgen:

Die offensichtlichen Kandidaten bieten keinen Value. Elversberg bei 1,60 auf Abstieg zu spielen, ist eine Wette auf das Erwartbare zu einem Preis, der wenig übrig lässt. Interessanter ist die Gegenseite – der Klassenerhalt der Saarländer zu deutlich höheren Kursen.

Schalke ist der spannendste Fall. Der Markt preist Aufsteiger schematisch ein, die Zweitligameister-Statistik und der Wolfsburg-Effekt sprechen dagegen. Wer an den Klassenerhalt glaubt, findet hier den besseren Kurs als bei etablierten Wackelkandidaten.

Timing schlägt Vorhersage. Quoten auf Aufsteiger bewegen sich in den ersten Wochen stark. Wer auf einen Fehlstart wetten will, findet im September oft attraktivere Kurse als vor dem 1. Spieltag – und umgekehrt.

Wichtig bleibt der Blick auf die Etablierten: Auch Köln, Bremen und der HSV gelten als gefährdet. Die Aufsteiger sind nicht automatisch die drei Letzten.

Häufige Fragen zu den Bundesliga-Aufsteigern 2026/27

Wer ist 2026/27 in die Bundesliga aufgestiegen? Schalke 04 (Meister), SV Elversberg (Platz 2) und SC Paderborn (über die Relegation gegen den VfL Wolfsburg).

Welcher Aufsteiger hat die besten Chancen auf den Klassenerhalt? Schalke 04 – wegen des höchsten Kaderwerts, der Meisterschaft in der 2. Liga und der Heimstärke in der Veltins-Arena.

Wer ist Abstiegsfavorit? Die SV Elversberg mit einer Abstiegsquote um 1,60, gefolgt von Paderborn. Beide haben die niedrigsten Kaderwerte der Liga.

Ist Elversberg zum ersten Mal in der Bundesliga? Ja. Die Saarländer sind der 59. Klub der Bundesliga-Geschichte und feiern ihr Erstliga-Debüt.

Wann spielt Schalke sein erstes Heimspiel? Am 2. Spieltag, 5. September, gegen den FC Bayern – das erste Bundesliga-Spiel in der Veltins-Arena seit über drei Jahren.


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