Jan Rademeister
| veröffentlicht am: 01.08.26
geprüft von Thoralf Müller | 5 Min. Lesezeit

ATP Montréal 2026: Favoriten, Absagen und ein weit offenes Masters

ATP Montréal 2026: Favoriten, Absagen und ein weit offenes Masters

Beim National Bank Open in Montréal greift die Weltklasse ab dem Wochenende ins Geschehen ein – aber mit einer Setzliste, die durch eine ganze Serie prominenter Absagen kräftig durcheinandergewirbelt wurde. Alexander Zverev geht als topgesetzter Spieler und Roland-Garros-Champion 2026 in das ATP Masters 1000, doch mit dem Wegfall gleich der drei größten Namen des Herrentennis ist das Turnier so offen wie selten. Wer die Ausgangslage richtig liest, findet hier deutlich mehr Value als bei einem Masters mit einem klaren 1,20-Dominator an der Spitze. Wir ordnen Feld, Absagen, Auslosung und Favoriten ausführlich ein.

Letzte Aktualisierung: 1. August 2026

Die Eckdaten

Turnier National Bank Open (Canadian Open)
Kategorie ATP Masters 1000
Belag Hartplatz (outdoor)
Zeitraum 1. bis 13. August 2026 (Quali ab 1.8., Hauptfeld ab 2./3.8.)
Ort IGA Stadium, Montréal, Kanada
Hauptfeld 96 Spieler im Einzel (Top 32 gesetzt, Freilos in Runde 1)
Preisgeld rund 9,4 Mio. US-Dollar
Titelverteidiger Ben Shelton (2025 in Toronto)
Topgesetzter Alexander Zverev

Ein Masters ohne die Weltspitze – so offen war Kanada selten

Montréal ist der Auftakt der nordamerikanischen Hartplatz-Saison und normalerweise ein Turnier mit klarer Hierarchie. In diesem Jahr ist alles anders: Gleich die drei prominentesten Namen des Herrentennis fehlen – und mit ihnen mehrere weitere gesetzte Spieler. Damit verliert die Setzliste ihre gesamte Spitze, und das Rennen um den Titel wird zu einem der unberechenbarsten Masters-Events der jüngeren Zeit.

Für Wettende ist das Fluch und Segen zugleich. Es gibt keinen Spieler, auf den man blind zu Minimalquoten setzen kann, dafür aber echte Chancen für die zweite Reihe und die aufstrebenden jungen Spieler. Gerade weil die halbe Weltspitze auf dem Weg zu den US Open pausiert oder verletzt ist, entscheidet in Montréal weniger die reine Klasse als die Frage, wer nach der Wimbledon-Pause am schnellsten in den Turnierrhythmus findet.

Die Absagen: Sinner, Djokovic, Alcaraz – und mehr

Das Herzstück der Vorberichterstattung sind die Absagen. Jannik Sinner, die Nummer eins der Welt und frischgebackene Wimbledon-Sieger, stand zunächst auf der Meldeliste, zog seine Teilnahme dann aber zurück und legt vor den US Open eine Pause ein. Auch Novak Djokovic war gemeldet und entschied sich anschließend für eine verlängerte Auszeit. Carlos Alcaraz fehlte von vornherein: Der Spanier laboriert seit April an einer Handgelenksverletzung, die ihn bereits French Open und Wimbledon gekostet hatte.

Damit nicht genug: Auch Alexander Bublik, Tomáš Macháč, Sebastian Korda, Alejandro Davidovich Fokina und Jesper de Jong fehlen im Hauptfeld. In der Summe ist das ein Aderlass, der das Tableau grundlegend verändert – und die Setzliste um mehrere Positionen nach oben rutschen lässt.

Setzliste und Auslosung

Nach den Absagen ergibt sich folgende Spitze der Setzliste (Top 8):

Setzung Spieler Anmerkung
1 Alexander Zverev Roland-Garros-Sieger 2026, Montréal-Champion 2017
2 Félix Auger-Aliassime Kanadier, Heimturnier
3 Alex de Minaur Finalist 2023
4 Daniil Medvedev Champion 2021
5 Ben Shelton Titelverteidiger
6 Flavio Cobolli Roland-Garros-Finalist 2026
7 Taylor Fritz US-Hartplatz-Spezialist
8 Jiří Lehečka

Die Top 32 sind gesetzt und haben in Runde 1 ein Freilos; sie steigen erst in der zweiten Runde ein. Zverev und Auger-Aliassime wurden in gegenüberliegende Tableau-Hälften gelost – ein Duell wäre also frühestens im Finale möglich. Zverev trifft zum Auftakt auf den Sieger der Partie Lorenzo Sonego gegen Tallon Griekspoor. In Zverevs Hälfte befinden sich zudem Medvedev und Fritz, während de Minaur in der Hälfte von Auger-Aliassime gelost wurde. Für den topgesetzten Deutschen ist der Weg damit machbar, aber keineswegs geschenkt.

Die Favoriten im Detail

Alexander Zverev ist als topgesetzter Spieler der nominelle Favorit – aber ein „weicher”. Der Roland-Garros-Champion 2026 feierte in Montréal 2017 einen seiner größten Erfolge, als er im Finale Roger Federer bezwang. Zuletzt fehlte ihm bei den ganz großen Titeln aber die Durchschlagskraft: Seinen bislang letzten Masters-1000-Titel gewann er im Oktober 2024, und seine Bilanz gegen die absolute Spitze war 2026 durchwachsen. Auf schnellem Hartplatz mit gutem Aufschlagtag ist er dennoch schwer zu schlagen.

Félix Auger-Aliassime ist der emotionale Favorit. Der Kanadier spielt vor heimischem Publikum, jagt seinen ersten Masters-1000-Titel und ist in bestechender Hartplatz-Form. Sein bisheriges Abschneiden beim Heimturnier war ausbaufähig – diese reifere Version des 2025er-US-Open-Halbfinalisten wirkt aber bereit für einen tiefen Lauf, wenn ihn die Erwartungshaltung nicht lähmt.

Alex de Minaur und Daniil Medvedev bringen als Nummern drei und vier der Setzliste Masters-Erfahrung mit – de Minaur stand 2023 im Finale, Medvedev gewann 2021. Beide sind unangenehme, laufstarke Gegner, denen aber zuletzt die letzte Konstanz gegen die Top-Spieler fehlte.

Ben Shelton kehrt als Titelverteidiger zurück und weiß, wie man dieses Turnier gewinnt – sein wuchtiger Linkshänder-Aufschlag ist auf diesem Belag eine Waffe. Taylor Fritz gilt bei vielen Analysten als bester Value-Kandidat: Der US-Amerikaner ist auf heimischem Hartplatz-Terrain immer gefährlich. Und Flavio Cobolli, der Roland-Garros-Finalist 2026, ist als Nummer sechs gesetzt ein Kandidat für eine Überraschung.

Die Außenseiter und jungen Wilden

Das offene Feld ist eine Einladung für die nächste Generation. Rafael Jódar hat zwischen Washington und den US Open keine Punkte zu verteidigen und kann befreit aufspielen; der Spanier hat sich zuletzt eindrucksvoll in die erweiterte Weltspitze gespielt. João Fonseca, Jakub Menšík und Learner Tien gehören zu den spannendsten Talenten der Tour und könnten sich hier als kommende Hartplatz-Kräfte empfehlen. Dazu kommen kanadische Wildcards wie Gabriel Diallo und Liam Draxl, die vom Heimpublikum getragen werden, sowie Publikumsliebling Gaël Monfils.

Deutsche Beteiligung

Angeführt von Topfavorit Alexander Zverev ist Deutschland gut vertreten. Neben der Nummer eins der Setzliste stehen mit Jan-Lennard Struff, Daniel Altmaier und Yannick Hanfmann drei weitere Deutsche im Hauptfeld. Für sie geht es zunächst darum, die ersten Runden zu überstehen – in einem derart offenen Tableau ist ein Vorstoß in die zweite Turnierwoche aber für den einen oder anderen nicht ausgeschlossen.

Zeitplan und Rundenübersicht

Phase Zeitraum (ca.)
Qualifikation Samstag, 1. August
1. Runde (Hauptfeld) Sonntag/Montag, 2.–3. August
2. Runde (gesetzte Spieler steigen ein) ab ca. 4. August
Achtelfinale um den 8./9. August
Viertelfinale 10./11. August
Halbfinale 12. August
Finale um den 13. August

Die genaue Rundenansetzung steht erst nach der Auslosung (31. Juli) endgültig fest und ist vor Veröffentlichung zu prüfen.

Die Turniersieg-Quoten und wo der Value liegt

Ohne die drei Topstars sind die Quoten deutlich flacher als bei einem klassischen Masters. Die folgenden Werte sind an der Markteinschätzung orientierte Schätzwerte und vor Veröffentlichung durch die realen Buchmacherquoten zu ersetzen.

Spieler Turniersieg-Quote (ca.)
Alexander Zverev 4,50
Félix Auger-Aliassime 6,00
Taylor Fritz 7,50
Ben Shelton 8,00
Alex de Minaur 9,00
Daniil Medvedev 13,00
Flavio Cobolli 17,00
Rafael Jódar 21,00
João Fonseca 26,00

Der Value liegt in diesem Turnier nicht zwingend beim Favoriten: Zverevs schwache Masters-Ausbeute der letzten anderthalb Jahre macht seine Quote von rund 4,50 angreifbar. Auger-Aliassime (Heimvorteil, Form) und Fritz (bester Hartplatz-Value laut mehreren Analysten) sind die naheliegenden Alternativen; für risikofreudige Wettende bieten Jódar oder Fonseca zu zweistelligen Quoten echtes Überraschungspotenzial in einem Feld ohne dominante Nummer eins.

Quoten-Stand: 1. August 2026. Wettquoten unterliegen ständigen Schwankungen – bitte vor Wettabgabe beim jeweiligen Anbieter prüfen.


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