Die 3. Liga hat sich verschoben. Acht der 20 Klubs kommen aus Nordrhein-Westfalen – so viele wie nie zuvor in der Ligageschichte. Gleichzeitig ist Hansa Rostock der einzige Vertreter des Ostens und muss zu jedem Auswärtsspiel mindestens 400 Kilometer zurücklegen. Was diese Konzentration für Derbys, Reisestrecken und Wetten bedeutet.
Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2026
Der NRW-Rekord
Zum ersten Mal in der 18-jährigen Geschichte der eingleisigen 3. Liga stellen acht Vereine aus Nordrhein-Westfalen die Teilnehmer. Der bisherige Höchstwert lag bei sieben, aufgestellt in der Saison 2023/24.
Die acht Klubs:
| Verein | Stadt |
|---|---|
| Fortuna Düsseldorf | Düsseldorf |
| SC Preußen Münster | Münster |
| MSV Duisburg | Duisburg |
| Rot-Weiss Essen | Essen |
| Alemannia Aachen | Aachen |
| SC Verl | Verl |
| Viktoria Köln | Köln |
| Fortuna Köln | Köln |
Drei davon sind neu dabei: die Zweitliga-Absteiger Münster und Düsseldorf sowie Regionalliga-Meister Fortuna Köln. Kein einziger NRW-Klub hat die Liga verlassen – Rot-Weiss Essens verpasster Aufstieg in der Relegation machte den Rekord perfekt.
Zum Vergleich: In der Saison 2010/11 war mit Rot-Weiß Ahlen nur ein einziger Drittligist aus NRW vertreten.
Warum das so gekommen ist
Die Ursache liegt im Aufstiegsmodus. Aus den Regionalligen West und Südwest steigt jeweils ein Klub direkt auf, während sich die Meister aus Nord und Bayern in Aufstiegsspielen durchsetzen müssen. Das begünstigt strukturell den Westen und Südwesten.
Neben NRW ist auch der Süden stark vertreten: vier Klubs aus Baden-Württemberg, je einer aus dem Saarland und Hessen.
Das Ergebnis ist eine Liga, die geografisch fast ausschließlich im Westen und Süden stattfindet – mit einer Ausnahme.
Hansa Rostock: Allein an der Ostsee
Für den FC Hansa ist die neue Saison eine logistische Zumutung. Kein einziges Auswärtsspiel liegt näher als 400 Kilometer.
Die kürzesten Fahrten:
| Ziel | Entfernung |
|---|---|
| SV Meppen | 414 km |
| SC Verl | 436 km |
| Preußen Münster | 464 km |
Drei Viertel der Auswärtsreisen knacken die 1.000-Kilometer-Marke – hin und zurück gerechnet. Die weitesten Fahrten führen nach Bayern und ins Saarland.
Bemerkenswert ist die Reaktion der Fans: Trotz der Distanzen hatte Rostock in der Vorsaison die zweitmeisten Auswärtsfahrer der Liga – im Schnitt über 2.500 pro Spiel. Nur 1860 München wurde noch zahlreicher begleitet. Zu Hause kamen durchschnittlich 24.988 Zuschauer ins Ostseestadion.
Der Klub ist damit in doppelter Hinsicht ein Sonderfall: sportlich isoliert, aber mit einer Anhängerschaft, die zu den größten der Liga zählt.
Was das für die Derbys bedeutet
Die NRW-Konzentration hat eine positive Kehrseite: so viele Derbys wie nie.
Allein in Köln gibt es jetzt ein Stadtduell zwischen Viktoria und Fortuna. Dazu kommen die Klassiker zwischen Essen, Duisburg und Düsseldorf – Traditionsvereine innerhalb weniger Kilometer.
Für Preußen Münster ist die kürzeste Auswärtsfahrt das Gastspiel beim Nachbarn SC Verl: 78 Kilometer. Die weiteste führt nach München zur Grünwalder Straße: 664 Kilometer.
Für die Fans der acht NRW-Klubs bedeutet das kurze Wege, volle Gästeblöcke und eine Ligadichte, wie sie in Deutschland selten vorkommt.
Der blinde Fleck: Der Osten fehlt
Die Kehrseite der Entwicklung wird oft übersehen. Mit Hansa Rostock ist nur ein einziger Ostklub in der Liga vertreten.
Dabei ist das Zuschauerpotenzial dort erheblich: In der Regionalliga Nordost begrüßten in der Saison 2025/26 sieben Vereine im Schnitt mindestens 5.000 Zuschauer pro Heimspiel – Werte, von denen manche Drittligisten nur träumen.
Das Problem ist strukturell: Die Nordost-Staffel hat keinen direkten Aufstiegsplatz, ihr Meister muss in die Aufstiegsspiele. In dieser Saison scheiterte Lok Leipzig dort an den Würzburger Kickers – wäre Leipzig aufgestiegen, hätte Rostock immerhin eine Fahrt unter 400 Kilometern gehabt.
Energie Cottbus zeigt, dass es geht: Der Klub schaffte den Sprung in die 2. Bundesliga. Für den Osten insgesamt bleibt die Lage aber schwierig.
Einordnung für Wettende
Drei Punkte, die sich aus der Geografie ergeben:
Reisestrecken sind ein realer Faktor. Hansa Rostock absolviert 19 Auswärtsspiele, von denen keines unter 400 Kilometern liegt. Bei englischen Wochen – zwei in der Hinrunde, drei in der Rückrunde – summiert sich die Belastung. Wer auf Rostocker Auswärtsspiele wettet, sollte die Terminlage im Blick behalten.
Derbys laufen anders als normale Spiele. Bei kurzen Anfahrten sind die Gästeblöcke voll, die Atmosphäre ist aufgeheizt. Statistisch fallen in solchen Partien häufiger Karten, und Favoritenrollen greifen weniger zuverlässig. Bei acht NRW-Klubs gibt es davon reichlich.
Der Heimvorteil ist ungleich verteilt. Ein Klub, der zu jedem Auswärtsspiel vier Stunden fährt, hat andere Voraussetzungen als einer, der 78 Kilometer zurücklegt. Das gilt besonders in der zweiten Saisonhälfte, wenn sich die Belastung addiert.
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