Jan Rademeister
| veröffentlicht am: 12.09.26
geprüft von Thoralf Müller | 4 Min. Lesezeit

2. Bundesliga Aufstieg 2026/27: Favoriten, Quoten und die Frage, ob Wolfsburg überhaupt Favorit ist

Hertha BSC – Heidenheim | DFB-Pokal Wett Tipp & Quoten (30.10.2024)

Der Aufstieg in der 2. Bundesliga 2026/27 zeichnet sich nach fünf Spieltagen schon deutlicher ab, als es die Vorsaison-Prognosen erwarten ließen. Oben stehen nicht die Absteiger mit den großen Etats, sondern Hertha BSC unter Stefan Leitl und der 1. FC Nürnberg unter Miroslav Klose. Wir ordnen ein, wen der Wettmarkt als Aufstiegsfavoriten führt, wo die Quoten der Realität hinterherlaufen – und warum ein Bundesliga-Absteiger historisch keine sichere Bank ist.

Letzte Aktualisierung: 12. September 2026

Die Ausgangslage nach vier Spieltagen

Pos. Team Sp S U N Tore Pkt
1 Hertha BSC 4 4 0 0 12:5 12
2 1. FC Nürnberg 4 3 1 0 13:5 10
3 1. FC Heidenheim 4 3 0 1 11:10 9
4 VfL Wolfsburg 4 2 2 0 10:6 8
5 1. FC Kaiserslautern 4 2 2 0 5:1 8
6 VfL Bochum 4 2 0 2 3:3 6
7 1. FC Magdeburg 4 2 0 2 7:8 6
7 VfL Osnabrück 4 2 0 2 7:8 6

Stand nach dem 4. Spieltag. Am Freitag des 5. Spieltags gewann Nürnberg 2:1 gegen Hannover und zog damit vorerst an Hertha vorbei, Darmstadt holte mit dem 2:1 gegen Bielefeld den ersten Saisonsieg.

Warum diese Liga anders bepreist ist als sie spielt

Wettmärkte für Zweitliga-Aufstiege werden traditionell nach zwei Kriterien gebaut: Etat und Absteiger-Status. Beides spricht in dieser Saison für den VfL Wolfsburg, der als teuerster Klub der Liga aus der Bundesliga kommt. Genau hier liegt aber die Schwachstelle des Modells.

Ein Bundesliga-Absteiger steigt keineswegs automatisch wieder auf. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt ein anderes Muster: Absteiger tragen zwar die höheren Gehälter, aber auch die schwerere Kaderplanung mit sich – Leistungsträger wollen erstklassig bleiben, Verträge müssen umgebaut werden, und der Kader wird während der laufenden Vorbereitung noch geöffnet. Genau das passierte in Wolfsburg: Mit Fabio Amoura verließ ein Angreifer den Klub, mit Fabian Reese kam prompt der Leistungsträger des direkten Konkurrenten Hertha BSC.

Der zweite blinde Fleck der Quotenmodelle ist der Trainereffekt. Hertha und Nürnberg werden von zwei Trainern geführt, die ihre Mannschaften nachweislich sofort erreicht haben. Beide Teams standen nach vier Spieltagen ungeschlagen da.

Die Aufstiegsfavoriten im Einzelnen

Hertha BSC ist der beste Start der Liga und gleichzeitig das größte Fragezeichen. Stefan Leitl hat einen Kader übernommen, der nach eigener Aussage des Trainers in einem existenziellen Umbruch steckt: Der Klub hat im Sommer mehrere Leistungsträger abgegeben, unter anderem Fabian Reese an den direkten Konkurrenten Wolfsburg. Dass die Mannschaft trotzdem vier Siege aus vier Spielen holte, spricht für die Arbeit auf dem Platz – und wirft die Frage auf, wie belastbar diese Serie über 34 Spieltage ist. Mit Oluwaseun Adewumi hat Hertha zudem einen Angreifer, der bereits dreimal getroffen hat.

1. FC Nürnberg ist die spannendere Wette. Miroslav Klose hat den Club in eine Offensivmannschaft verwandelt: 13 Tore in vier Spielen sind der beste Wert der Liga, der Italiener Mohamed Alì Zoma steht bei vier Treffern und hat am ersten Spieltag beim 3:0 gegen Dresden einen Hattrick erzielt. Nürnberg ist gleichzeitig das einzige Team der Spitzengruppe, das sowohl offensiv als auch defensiv oben steht.

1. FC Heidenheim wird vom Markt unterschätzt. Der Absteiger hat mit Frank Schmidt den mit Abstand dienstältesten Trainer der Liga und drei Siege geholt – allerdings bei zehn Gegentoren in vier Spielen. Das ist die instabilste Defensive der Spitzengruppe und der Grund, warum Heidenheim eher ein Kandidat für Platz drei als für den direkten Aufstieg ist.

VfL Wolfsburg hat als einziges Spitzenteam noch nicht verloren, aber schon Punkte liegen lassen: Gegen Aufsteiger Energie Cottbus gab die Mannschaft von Tobias Strobl eine 3:0-Führung aus der Hand und kam nur zu einem 4:4. Solche Spielverläufe sind bei einer Mannschaft, die individuell überlegen ist, ein Warnsignal – sie deuten auf ein Struktur- und kein Qualitätsproblem hin.

1. FC Kaiserslautern ist der Geheimtipp der Aufstiegswette. Torsten Lieberknechts Team hat in vier Spielen exakt ein Gegentor kassiert – der mit Abstand beste Defensivwert der Liga. Offensiv fehlt bislang die Durchschlagskraft (fünf Tore), aber Mannschaften mit dieser Defensivbasis sind über eine ganze Saison selten weit von oben entfernt.

Wo der Value liegt

Für Aufstiegswetten gilt in dieser Liga eine einfache Regel: Der Markt bepreist Absteiger zu hoch und Trainer zu niedrig. Konkret heißt das drei Dinge.

Erstens ist die Wette auf Wolfsburg als Aufsteiger die teuerste im Feld, ohne dass die Leistung das rechtfertigt – wer hier Value sucht, findet ihn eher in der Gegenrichtung, also in einem „Wolfsburg verpasst Platz 1 und 2″.

Zweitens ist Kaiserslautern im Top-6-Markt der interessanteste Kandidat, weil eine Defensive dieser Güte über eine Saison Punkte produziert, auch wenn die Offensive schwach bleibt.

Drittens sollte man Nürnberg im Meister-Markt nicht ignorieren. Das ist derzeit die kompletteste Mannschaft der Liga, und ein Trainer mit Kloses Standing zieht in den ersten Monaten mehr aus einem Kader heraus, als das Modell vorsieht.

Grundsätzlich gilt: Nach fünf von 34 Spieltagen sind Saisonwetten mit einer hohen Unsicherheit behaftet. Wer jetzt einsteigt, kauft frühe Quoten – dafür aber auch eine Stichprobe, die kaum 15 Prozent der Saison abdeckt.

Aufstiegsquoten im Überblick

Wettmarkt Auswahl Referenzquote
Meister 1. FC Nürnberg Redaktion: Live-Feed
Meister Hertha BSC Redaktion: Live-Feed
Aufstieg (Top 2) VfL Wolfsburg Redaktion: Live-Feed
Aufstieg (Top 2) 1. FC Heidenheim Redaktion: Live-Feed
Top 6 1. FC Kaiserslautern Redaktion: Live-Feed
Top 6 1. FC Magdeburg Redaktion: Live-Feed

Quoten-Stand: 12. September 2026. Wettquoten unterliegen ständigen Schwankungen – bitte vor Wettabgabe beim jeweiligen Anbieter prüfen.


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