Beim ATP Masters 1000 in Montréal kommt es in der zweiten Runde (Letzten 64) zum rein tschechischen Duell zwischen dem topgesetzten Jiří Lehečka und seinem Landsmann Vít Kopřiva. Gespielt wird auf dem Hartplatz im Freien im IGA Stadium; angesetzt ist die Partie für heute, den 4. August, gegen 20:30 Uhr MESZ (die genaue Court-Zeit hängt vom Tagesplan ab). Auf dem Papier ist es ein klares Favoritenspiel – doch Belag, Formkurven und ein feuchtes Umfeld liefern genug Zutaten für einen genaueren Blick. Kurios am Rande: Die beiden gewannen 2021 gemeinsam einen Doppeltitel, im Einzel treffen sie auf der Tour erstmals aufeinander. Wir liefern die tiefe Analyse mit Ausgangslage, Form, H2H, Matchup, Quoten und dem Wett-Tipp.
Ausgangssituation: Aufschlag-Aggressor gegen kriselnden Sand-Grinder
Jiří Lehečka (Weltranglisten-12., an Position acht gesetzt) ist einer der druckvollsten Hartplatzspieler der Tour. Der 24-Jährige stand 2026 im Finale von Miami – als erster Spieler seit Novak Djokovic 2018, der ein Masters-1000-Endspiel ohne einen einzigen Aufschlagverlust erreichte – und erreichte 2025 das US-Open-Viertelfinale. Sein Spiel lebt vom wuchtigen Service (im Schnitt gut acht Asse pro Match, besser als 94 Prozent der Tour) und der flachen, frühen Vorhand. Nach einem Freilos in Runde eins steigt er ausgeruht ein; das einzige Fragezeichen ist die Tagesform, denn zuletzt verlor er in Los Cabos überraschend gegen Coleman Wong – und das, nachdem er den ersten Satz mit 6:1 dominiert hatte.
Vít Kopřiva (Weltranglisten-71.) ist das Kontrastprogramm: ein 29-jähriger, extrem laufstarker Grundlinienarbeiter, dessen Zuhause der Sandplatz ist (über 300 Karriere-Matches auf Sand gegenüber rund 95 auf Hart). Sein Return- und Konterspiel ist stark, der Aufschlag aber deutlich weniger durchschlagend als der seines Landsmanns. Vor allem kommt Kopřiva in schwacher Verfassung: Vor Montréal hatte er vier Matches in Serie verloren, ehe er in Runde eins den kanadischen Wildcard-Spieler Alexis Galarneau bezwang – und selbst dafür brauchte er sechs Matchbälle. Der Rhythmus aus diesem Sieg ist ein Pluspunkt, die zugrunde liegende Form bleibt aber ein Warnsignal.
Aktuelle Form: Jiří Lehečka
Lehečka bringt eine starke Rasen-Basis mit, zuletzt aber einen Ausrutscher auf Hart:
| Datum | Turnier | Runde | Gegner | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 29.07.2026 | Los Cabos (ATP 250), Hartplatz | 2. Runde | C. L. Wong | 6:1 3:6 4:6 (N) |
| ~07.07.2026 | Wimbledon, Rasen | 4. Runde | A. Zverev | Niederlage |
| 05.07.2026 | Wimbledon, Rasen | 3. Runde | J. Munar | 6:4 6:4 4:6 6:4 (S) |
| 02.07.2026 | Wimbledon, Rasen | 2. Runde | A. Molčan | 6:3 6:2 6:4 (S) |
| 30.06.2026 | Wimbledon, Rasen | 1. Runde | A. Popyrin | 6:4 6:2 6:4 (S) |
Bei Wimbledon marschierte Lehečka souverän bis in die vierte Runde (16 Asse allein gegen Munar), ehe erst der Weltklassemann Zverev Endstation war – ein Beleg für sein Topniveau auf schnellen Belägen. Das Los-Cabos-Aus gegen den außerhalb der Top 100 notierten Wong ist die Warnung: Nach dominantem ersten Satz brach er ein. Diese Anfälligkeit für Konzentrationslöcher ist der Ansatzpunkt für jeden Außenseiter.
Aktuelle Form: Vít Kopřiva
Kopřiva stoppte in Montréal eine längere Talfahrt, überzeugt hat er dabei aber nicht:
| Datum | Turnier | Runde | Gegner | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 03.08.2026 | Montréal (ATP 1000), Hartplatz | 1. Runde | A. Galarneau | 6:4 6:4 (S) |
| ~20.07.2026 | Kitzbühel (ATP 250), Sand | 1. Runde | I. Buse | Niederlage |
| 13.07.2026 | Umag (ATP 250), Sand | Achtelfinale | D. Prizmic | 1:6 3:6 (N) |
| ~26.06.2026 | Mallorca (ATP 250), Rasen | Viertelfinale | E. Quinn | Niederlage |
| ~24.06.2026 | Mallorca (ATP 250), Rasen | Achtelfinale | I. Buse | 7:5 6:1 (S) |
Nach einem ordentlichen Lauf ins Viertelfinale von Mallorca (Rasen) folgte eine Serie von vier Niederlagen quer durch die Sandsaison – das deutliche 1:6, 3:6 gegen Prizmic in Umag steht sinnbildlich für die Formkrise. Der Erstrundensieg gegen den nur auf Platz 175 notierten Galarneau war zwar ein Befreiungsschlag, fiel mit sechs benötigten Matchbällen aber alles andere als souverän aus. Immerhin: Kopřiva ist im Turnierrhythmus, während Lehečka kalt aus dem Freilos kommt.
Direkter Vergleich (H2H)
Im Einzel ist es das erste Aufeinandertreffen auf der Tour (0:0) – die beiden Tschechen kennen sich bestens und holten 2021 sogar gemeinsam einen Doppeltitel. Sportlich spricht die individuelle Klasse klar für Jiří Lehečka, der auf Hartplatz das höhere Tempo, den durchschlagskräftigeren Aufschlag und die bessere Turnierbilanz mitbringt. Kopřivas Hoffnung liegt weniger im direkten Vergleich als im Belagprofil, in Lehečkas jüngster Anfälligkeit und in der eigenen Zähigkeit.
Bedingungen und Matchup: schneller Belag gegen Sandplatz-Geduld
Der entscheidende Faktor ist das Zusammenspiel von Belag und Spielstil. Montréal ist ein mittelschneller Outdoor-Hartplatz – ein Belag, der Lehečkas Erstschlagtennis (großer Aufschlag, frühe Vorhand, kurze Ballwechsel) entgegenkommt und Kopřivas Sandplatz-Geduld die Wirkung nimmt. Auf Sand kann der Grinder Gegner über die Distanz zermürben; auf schnellem Hart bekommt er weniger Zeit, kann Lehečkas Aufschlag kaum unter Druck setzen (Kopřivas eigener Return ist stark, aber gegen ein Service dieser Kategorie limitiert) und muss selbst über sein weniger durchschlagendes Aufschlagspiel Halten – ein strukturelles Problem.
Ein Faktor arbeitet für den Außenseiter: die feucht-warme Augustluft und die durch Regen unterbrochene Turnierwoche nehmen dem Ball etwas Tempo, was Ballwechsel verlängert und dem Rückschläger hilft. In Kombination mit Lehečkas Los-Cabos-Wackler (Einbruch nach 6:1-Satzführung) ergibt sich das realistische Szenario, dass Kopřiva zumindest einen Satz offenhält. Für einen kompletten Umsturz über zwei bzw. drei Sätze müsste allerdings alles zusammenkommen – dafür ist der Klassenunterschied auf diesem Belag zu groß.
Quoten zum Spiel
Die Buchmacher sehen Lehečka als klaren Favoriten. Die folgenden Werte sind an der Markteinschätzung orientierte Schätzwerte und vor Veröffentlichung durch die realen Buchmacherquoten zu ersetzen.
| Markt | Quote (ca.) |
|---|---|
| Sieg Jiří Lehečka | 1,28 |
| Sieg Vít Kopřiva | 3,60 |
| Satz-Handicap Lehečka -1,5 | 1,70 |
| 1. Satz Jiří Lehečka | 1,40 |
| Kopřiva gewinnt mind. einen Satz | 2,30 |
Quoten-Stand: 4. August 2026. Wettquoten unterliegen ständigen Schwankungen – bitte vor Wettabgabe beim jeweiligen Anbieter prüfen.
Übertragung: Wo läuft Lehečka – Kopřiva?
Das Masters 1000 in Montréal läuft in Deutschland über Sky (Sky Sport Tennis, kostenpflichtig) sowie im Stream über Sky Go, WOW und Tennis TV. Ein Free-TV-Angebot gibt es nicht. Ob dieses Zweitrunden-Match linear gezeigt oder nur über die Court-Streams verfügbar ist, hängt von der täglichen Programmwahl ab.
Unser Wett-Tipp zu Jiří Lehečka – Vít Kopřiva
Haupttipp: Sieg Jiří Lehečka – beste Quote 1,28. Klasse, Aufschlagwucht und Belagprofil sprechen klar für den Favoriten: Auf schnellem Hartplatz kann Kopřivas Sandplatz-Geduld ihre Wirkung kaum entfalten, während Lehečka mit dem Service billige Punkte holt. Kopřivas Formkrise (vier Niederlagen vor dem Galarneau-Sieg) verstärkt das Bild. Wir taxieren Lehečka bei rund 76 Prozent – die Quote ist niedrig, daher der Blick auf die Alternativen.
Sichere Alternative: Satz-Handicap Lehečka -1,5 – Quote ca. 1,70. Wer davon ausgeht, dass Lehečka den formschwachen Grinder in zwei Sätzen kontrolliert, hebt mit dem Satz-Handicap die magere Siegquote auf einen attraktiveren Wert. Auf diesem Belag und gegen diese Form ein solides Szenario.
Für Mutige: Kopřiva gewinnt mindestens einen Satz – Quote ca. 2,30. Das ist der Value-Tipp mit klarer Herleitung: Lehečka kommt kalt aus dem Freilos, brach zuletzt in Los Cabos nach 6:1-Satzführung ein, und die feucht-langsameren Bedingungen helfen dem starken Rückschläger Kopřiva. Für einen Satz reicht das erfahrungsgemäß eher als für die Sensation.
Prognose: Wir sehen Jiří Lehečka bei rund 76 Prozent Siegwahrscheinlichkeit. Als plausibelster Verlauf erscheint ein Sieg des Favoriten in zwei bis drei Sätzen – ein glatter Zwei-Satz-Erfolg ist ebenso denkbar wie ein Szenario, in dem Kopřiva über seine Zähigkeit einen Satz an sich reißt, ehe Lehečkas Aufschlag den Ausschlag gibt.
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