Jan Rademeister
| veröffentlicht am: 01.08.26
geprüft von Thoralf Müller | 4 Min. Lesezeit

WTA Toronto 2026: Favoritinnen, Absagen und eine garantiert neue Siegerin

WTA Toronto 2026: Favoritinnen, Absagen und eine garantiert neue Siegerin

Beim National Bank Open in Toronto ist die Ausgangslage fast das Gegenteil des parallelen Herrenturniers: Während in Montréal die halbe Weltspitze fehlt, treten in Toronto neun der zehn besten Spielerinnen der Welt an. Angeführt wird das Feld von der Weltranglisten-Ersten Aryna Sabalenka. Nur eine Top-Ten-Spielerin fehlt – ausgerechnet die Titelverteidigerin. Damit steht schon vor dem ersten Ballwechsel fest: Toronto bekommt eine neue Siegerin. Wir ordnen Feld, Absagen, Auslosung und Favoritinnen ausführlich ein.

Letzte Aktualisierung: 1. August 2026

Die Eckdaten

Turnier National Bank Open (Canadian Open)
Kategorie WTA 1000
Belag Hartplatz (outdoor)
Zeitraum 1. bis 13. August 2026 (Quali ab 1.8., Hauptfeld ab 2./3.8.)
Ort Sobeys Stadium, Toronto, Kanada
Hauptfeld 96 Spielerinnen im Einzel (Top 32 gesetzt, Freilos in Runde 1)
Preisgeld rund 5,2 Mio. US-Dollar
Titelverteidigerin Victoria Mboko (verletzt abgesagt)
Topgesetzte Aryna Sabalenka

Neun der Top Ten – aber ohne Titelverteidigerin

Anders als das ausgedünnte Herrenfeld in Montréal ist das Damenturnier in Toronto bis in die Spitze besetzt: Neun der zehn besten Spielerinnen der Welt sind am Start, dazu zahlreiche Grand-Slam-Siegerinnen und mehrere frühere Turniersiegerinnen. Die einzige Top-Ten-Abwesende ist Titelverteidigerin Victoria Mboko – womit garantiert ist, dass eine neue Spielerin den Pokal in die Höhe stemmt.

Für Wettende bedeutet das: ein tiefes, extrem kompetitives Feld mit vielen realistischen Titelkandidatinnen und entsprechend höheren Quoten selbst für die Favoritin. Der Value steckt hier weniger im Außenseiter-Coup als in der Frage, welche der Topspielerinnen die Konstanz über die vollen zwei Wochen mitbringt – und wer im gnadenlos dichten Tableau die günstigere Auslosung erwischt hat.

Die Absagen im Detail

Die schmerzlichste Absage ist die von Victoria Mboko: Die Kanadierin, die 2025 bei ihrem Heimturnier für ein Märchen sorgte und als Debütantin den Titel gewann, laboriert an einer Knieverletzung und kann nicht verteidigen. Weiter fehlen unter anderem Karolína Muchová (Wimbledon-Finalistin), Jasmine Paolini, Emma Raducanu (Stressfraktur im Unterschenkel), Dayana Yastremska, Hailey Baptiste, Petra Marčinko und Jaqueline Cristian. Aus deutscher Sicht besonders bitter: Auch Laura Siegemund hat abgesagt. Die Ausfälle schwächen das Feld an einzelnen Stellen, ändern an der insgesamt enormen Tiefe aber wenig.

Setzliste und Auslosung

Nach den aktuellen Ranglisten führt Aryna Sabalenka die Setzliste an, gefolgt von Elena Rybakina und der Toronto-Spezialistin Jessica Pegula. Bemerkenswert: Die sechsfache Grand-Slam-Siegerin Iga Świątek ist nach einem Rutsch in der Weltrangliste niedriger gesetzt als gewohnt – und hat prompt ein schweres Viertel erwischt.

Sabalenka steht am Kopf des Tableaus, Rybakina wurde in die untere Hälfte gelost. Świątek droht in ihrem Abschnitt schon früh der Weg über Gegnerinnen wie Pegula, Gauff oder Nosková, ehe sie überhaupt in die Nähe des Endspiels käme. Ein möglicher Leckerbissen bereits in Runde drei ist das Duell der jungen Wilden Linda Nosková gegen Alexandra Eala. Im Halbfinale könnte es zur Neuauflage eines Sobeys-Stadium-Klassikers zwischen Sabalenka und Amanda Anisimova kommen.

Die Favoritinnen im Detail

Aryna Sabalenka ist als Weltranglisten-Erste und topgesetzte Spielerin die klare Favoritin – trotz eines überraschenden Achtelfinal-Aus in Wimbledon. Mit ihrem druckvollen Aufschlag- und Grundlinienspiel ist sie auf den mittelschnellen nordamerikanischen Hartplätzen besonders gefährlich; drei Titel (Brisbane, Indian Wells, Miami) hat sie 2026 bereits geholt und steht bei einer starken Saisonbilanz.

Coco Gauff zählt auf diesem Belag zu den Stärksten überhaupt. Ihre Bewegung, ihr aggressiver Return und ihre Erfahrung bei großen Titeln machen sie zu einer der heißesten Anwärterinnen – Toronto passt ihr Spiel wie kaum ein anderes Turnier. Elena Rybakina (Australian-Open-Siegerin 2026) ist mit ihrem flachen, wuchtigen Schlag auf schnellem Grund brandgefährlich, wenn ihr Aufschlag zündet; zuletzt schwankte allerdings ihre Konstanz.

Iga Świątek bringt als sechsfache Grand-Slam-Siegerin die größte Titelsammlung mit, muss ihren Ranglisten-Rutsch aber mit einem unangenehmen Tableau bezahlen. Jessica Pegula ist die Toronto-Spezialistin schlechthin: Sie gewann 2023 und 2024 in Folge und triumphierte 2026 beim WTA 1000 in Dubai. Dazu kommt Mirra Andreeva, die von mehreren Analysten als Value-Tipp gehandelt wird, sowie die formstarke Elina Svitolina (Rom-Siegerin 2026 und NBO-Championesse von 2017) und Amanda Anisimova.

Die jungen Wilden und Lokalmatadorinnen

Das Turnier ist auch eine Bühne für die nächste Generation. Alexandra Eala (an 25 gesetzt) hat sich mit ihrem Lauf bis ins Wimbledon-Achtelfinale in die erweiterte Spitze gespielt, Linda Nosková (an 8, Berlin-Siegerin 2026) und Iva Jovic gehören ebenfalls zu den spannendsten Namen. Für kanadische Stimmung sorgen Wildcard-Rückkehrerin Bianca Andreescu (Championesse von 2019) und Lokalmatadorin Leylah Fernandez aus dem nahen Laval.

Deutsche Beteiligung

Aus deutscher Sicht fällt die Bilanz dünn aus: Mit Laura Siegemund hat eine der prominentesten deutschen Spielerinnen abgesagt. Ob weitere Deutsche über die Qualifikation oder das Hauptfeld dabei sind, ist vor Veröffentlichung zu prüfen – die deutsche Aufmerksamkeit dürfte sich in dieser Woche stärker auf das Herrenturnier in Montréal mit Alexander Zverev richten.

Zeitplan und Rundenübersicht

Phase Zeitraum (ca.)
Qualifikation Samstag, 1. August
1. Runde (Hauptfeld) Sonntag/Montag, 2.–3. August
2. Runde (gesetzte Spielerinnen steigen ein) ab ca. 4. August
Achtelfinale um den 8./9. August
Viertelfinale 10./11. August
Halbfinale 12. August
Finale um den 13. August

Die genaue Rundenansetzung steht erst nach der Auslosung (31. Juli) endgültig fest und ist vor Veröffentlichung zu prüfen.

Die Turniersieg-Quoten und wo der Value liegt

Wegen der großen Felddichte fällt selbst die Favoritinnen-Quote vergleichsweise hoch aus. Die folgenden Werte sind an der Markteinschätzung orientierte Schätzwerte und vor Veröffentlichung durch die realen Buchmacherquoten zu ersetzen.

Spielerin Turniersieg-Quote (ca.)
Aryna Sabalenka 3,75
Coco Gauff 5,50
Elena Rybakina 6,50
Mirra Andreeva 7,50
Iga Świątek 7,50
Jessica Pegula 8,00
Amanda Anisimova 15,00
Elina Svitolina 17,00

Der Value liegt in diesem tiefen Feld weniger bei einem klassischen Außenseiter als in der Auslosung: Sabalenka bleibt die logische Favoritin, doch Gauff bietet auf ihrem Lieblingsbelag zu rund 5,50 spürbaren Mehrwert, und Andreeva ist der von Analysten meistgenannte Value-Pick. Świąteks schweres Viertel spricht dafür, ihre Quote kritisch zu sehen – während Pegula als zweifache Toronto-Siegerin auf diesem Court traditionell überliefert.

Quoten-Stand: 1. August 2026. Wettquoten unterliegen ständigen Schwankungen – bitte vor Wettabgabe beim jeweiligen Anbieter prüfen.


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