Vier Absteiger bei 20 Mannschaften – die 3. Liga hat die härteste Abstiegsregel im deutschen Profifußball. Jeder fünfte Klub muss am Ende runter. Wer besonders gefährdet ist, warum die Zweitvertretungen eine Sonderrolle spielen und weshalb ein Klub trotz sportlichem Abstieg noch dabei ist.
Letzte Aktualisierung: 23. Juli 2026
Die Ausgangslage: Vier von zwanzig
Während in der Bundesliga drei von 18 Klubs absteigen und in der 2. Liga ebenfalls drei von 18, sind es in der 3. Liga vier von 20. Das entspricht einer Abstiegsquote von 20 Prozent – Bundesliga und 2. Liga liegen bei knapp 17 Prozent.
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Nach unten geht es in die fünf Regionalligen. Die Verteilung der Absteiger auf die Staffeln hängt davon ab, aus welcher Liga die Aufsteiger kommen – ein System, das in jeder Saison für Rechenspiele sorgt.
Die Gefahrenzone im Überblick
| Tier | Klubs | Einschätzung |
|---|---|---|
| Höchstes Risiko | SV Meppen, TSV Havelse | niedrigste Kaderwerte der Liga |
| Hohes Risiko | SG Großaspach, Würzburger Kickers | Aufsteiger mit dünnem Etat |
| Erhöhtes Risiko | VfB Stuttgart II, Hoffenheim II | Zweitvertretungen ohne Aufstiegsperspektive |
| Beobachtungsliste | Fortuna Köln, Alemannia Aachen | formabhängig |
Eine externe Prognose von Mitte Juli sieht am Saisonende Großaspach, Stuttgart II, Havelse und Hoffenheim II auf den Abstiegsplätzen, während sich Würzburg knapp rettet.
Der Sonderfall Havelse
Der TSV Havelse ist die bemerkenswerteste Personalie der Liga – und ein Wiederholungstäter in doppelter Hinsicht.
Sportlich war der Klub abgestiegen. Als Tabellensechzehnter besiegelte eine 0:4-Niederlage beim SC Verl den Gang zurück in die Regionalliga. Doch weil 1860 München die Lizenz nicht erhielt und nachträglich auf Rang 20 gesetzt wurde, verminderte sich gemäß DFB-Spielordnung die Zahl der sportlichen Absteiger. Havelse rückte als bestplatzierter Absteiger nach.
Für die Niedersachsen ist es die dritte Drittliga-Saison. Die ersten beiden endeten jeweils nach einem Jahr: 2021/22 nach dem erstmaligen Aufstieg, 2025/26 nach der Rückkehr.
Mit 3,18 Millionen Euro Kaderwert steht Havelse auf Rang 19 von 20. Das ist die harte Realität hinter der glücklichen Rettung.
Die Zweitvertretungen: Ein eigener Fall
VfB Stuttgart II und TSG Hoffenheim II sind ein Sonderfall, der in der Wettbetrachtung oft übersehen wird: Beide sind nicht aufstiegsberechtigt.
Das hat Folgen für die Motivationslage. Eine U23 kann sportlich vorne mitspielen, ohne dass es eine Belohnung gäbe. Umgekehrt ist der Abstieg für den Mutterverein sportlich schmerzhaft, aber wirtschaftlich verkraftbar.
Hoffenheim II rettete sich in der Vorsaison erst am Ende – und auch nur, weil Ulm verlor. Das zeigt, wie eng es für die Zweitvertretungen regelmäßig wird.
Ein Detail für die Einordnung: Hoffenheim II war in der Regionalliga Südwest mit 75 Punkten und einem Torverhältnis von 86:33 dominierend. Der Sprung von der Regionalliga in die 3. Liga ist trotzdem groß genug, dass solche Werte wenig über die Drittliga-Tauglichkeit aussagen.
Die Aufsteiger im Abstiegskampf
Drei der vier Aufsteiger bringen die niedrigsten Kaderwerte der Liga mit:
| Klub | Kaderwert | Rang in der Liga |
|---|---|---|
| SV Meppen | 2,88 Mio. € | 20. |
| TSV Havelse | 3,18 Mio. € | 19. |
| SG Großaspach | 3,33 Mio. € | 18. |
| Würzburger Kickers | 3,71 Mio. € | 17. |
| Fortuna Köln | 4,14 Mio. € | 16. |
Zum Vergleich: Der Ligadurchschnitt liegt bei 6,46 Millionen Euro. Meppen kommt nicht einmal auf die Hälfte.
Meppen-Trainer Lucas Beniermann formuliert das Ziel entsprechend: „Für uns geht es nach dem Aufstieg darum, mit unserer Art und Weise in der 3. Liga anzukommen und in der Liga zu bleiben.”
Was gegen die reine Kaderwert-Logik spricht
Drei Argumente, warum die Tabelle am Ende anders aussehen könnte:
Eingespielte Aufsteiger schlagen umgebaute Kader. Klubs wie Großaspach kommen mit einer Mannschaft, die zwei Aufstiege in Folge geschafft hat. Auf der Gegenseite stehen Vereine, die im Sommer stark umgebaut haben.
Die Absteiger stehen unter Druck. Fortuna Düsseldorf und Preußen Münster müssen liefern. Wenn der Start misslingt, entsteht eine Unruhe, die in der 3. Liga schon oft für Abstürze gesorgt hat – nach unten geht es schneller, als der Etat vermuten lässt.
Traditionsklubs sind nicht immun. Die jüngere Historie zeigt es: Erzgebirge Aue stieg in der Vorsaison erstmals überhaupt in die Viertklassigkeit ab, der SSV Ulm rutschte binnen zwei Jahren von der 2. Bundesliga in die Regionalliga durch.
Einordnung für Wettende
Drei Punkte:
Die Favoriten bieten wenig Value. Meppen und Havelse werden im Abstiegsmarkt entsprechend niedrig gehandelt. Wetten auf das Erwartbare rechnen sich selten.
Die Zweitvertretungen sind der interessanteste Markt. Stuttgart II und Hoffenheim II werden häufig unterschätzt, weil die fehlende Aufstiegsperspektive den Blick verstellt. Beide Klubs bringen aber gut ausgebildete Spieler und moderne Strukturen mit – und Hoffenheim II hat sich in der Vorsaison gehalten.
Der vierte Absteiger ist die eigentliche Wette. Die ersten drei Plätze sind meist absehbar, der vierte entscheidet sich oft erst am letzten Spieltag. Wer dort einen unterschätzten Kandidaten identifiziert, findet den besseren Kurs als bei den offensichtlichen Namen.
Wichtig bleibt: Das Transferfenster ist bis zum 1. September geöffnet. Gerade bei Klubs am unteren Ende der Kaderwert-Tabelle kommt erfahrungsgemäß in den letzten Wochen noch Bewegung.
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