Sportlich Achter, für den DFB-Pokal qualifiziert – und trotzdem nicht dabei. Der TSV 1860 München verlor im Juni die Zulassung für die 3. Liga, weil eine Finanzlücke von 2,7 Millionen Euro nicht geschlossen wurde. Es ist der zweite Zwangsabstieg binnen neun Jahren, beide Male unter demselben Investor. Was passiert ist, wer profitiert und was das für die Liga bedeutet.
Letzte Aktualisierung: 23. Juli 2026
Was passiert ist
Am 3. Juni 2026 um 17:00 Uhr lief die Frist des DFB ab. Bis dahin musste 1860 München einen Liquiditätsnachweis über 2,7 Millionen Euro erbringen. Der Nachweis kam nicht.
Vor der Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße hatten Fans stundenlang im Regen ausgeharrt. Um 17:50 Uhr trat Präsident Gernot Mang vor die Anhänger: „Wir haben die Lizenz nicht und werden nächstes Jahr in der Regionalliga spielen.”
Der Grund war eine nicht eingehaltene Finanzierungszusage von Investor Hasan Ismaik. Nach Klubangaben wurden bestehende Darlehen am 21. Mai gekündigt – nur 13 Tage vor Ablauf der Frist – und gleichzeitig mit einem umfangreichen Forderungskatalog verknüpft.
Mang beschrieb die Schlussphase so: Es hätten zwei Verträge vorgelegen, einer akzeptabel für den Verein, einer für die Investorenseite. Eine Einigung kam nicht zustande.
Das Déjà-vu von 2017
Es ist nicht das erste Mal. 2017 verweigerte Ismaik eine Zahlung über elf Millionen Euro, woraufhin 1860 von der 2. Bundesliga direkt in die Viertklassigkeit durchgereicht wurde.
Damals gelang der sofortige Wiederaufstieg – seitdem hingen die Löwen in der 3. Liga fest. Statt den Sprung nach oben zu schaffen, geht es nun wieder eine Etage tiefer.
Beide Zwangsabstiege erfolgten unter Mehrheits-Kapitalführung derselben Investorengesellschaft, beide ausgelöst durch eine Liquiditätsverweigerung in der Schlussphase.
Ismaik selbst äußerte sich betroffen: „Es schmerzt mich sehr”, erklärte er und zeigte sich überzeugt, der Klub werde „eines Tages an den Platz zurückkehren, den er verdient”.
Die Folgen: Ein Klub im freien Fall
Der Lizenzentzug war nur der Anfang. Was seitdem geschah:
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 3. Juni | Lizenz verweigert, Zwangsabstieg |
| 3. Juni (Abend) | Hauptsponsor „Die Bayerische” kündigt fristlos |
| Ende Juni | Trennung von Trainer Markus Kauczinski und Teilen des Trainerstabs |
| 21. Juni | Mitgliederversammlung beschließt eigene Spielbetriebs-GmbH |
| 23. Juni | Die KGaA stellt Insolvenzantrag |
| 30. Juni | Neue GmbH im Handelsregister eingetragen |
| Mitte Juli | Einigung mit Ismaik über Stundung eines Darlehens von rund 8 Mio. € |
Die Mitgliederversammlung stimmte mit über 99 Prozent für eine eigene Spielbetriebsgesellschaft, die zu 100 Prozent dem Verein gehört. Zusätzlich beschlossen die Mitglieder, den Kooperationsvertrag mit Ismaik innerhalb von sechs Monaten zu beenden.
Sportlich sind die Aussichten unklar. Durch das Fehlen der TV-Gelder aus der 3. Liga bricht ein Millionenbetrag weg. Beim Kader steht die Frage im Raum, wie viele Verträge in der Regionalliga überhaupt gültig bleiben – Berichten zufolge sind es nur acht.
Wer profitiert: Der TSV Havelse
Die DFB-Spielordnung regelt den Fall eindeutig: Erhält ein Verein keine Lizenz, vermindert sich die Zahl der sportlichen Absteiger.
Davon profitiert der TSV Havelse. Die Niedersachsen waren als Tabellensechzehnter sportlich abgestiegen, rücken nun aber gemäß Paragraf 55a der DFB-Spielordnung als bestplatzierter Absteiger nach. Alle wirtschaftlichen und technisch-organisatorischen Zulassungskriterien hatten sie erfüllt.
Für die Liga bedeutet das eine bemerkenswerte Konstellation: Ein Klub, der sportlich abgestiegen war, spielt weiter – während ein sportlich Achter, der sich sogar für den DFB-Pokal qualifiziert hatte, in die vierte Liga muss.
Was das für die Saison 2026/27 bedeutet
Drei Konsequenzen für die Liga:
Ein Zuschauermagnet fehlt. 1860 München gehört zu den Klubs mit der größten Anhängerschaft der 3. Liga. Für Gastvereine bedeutet der Wegfall spürbar weniger Zuschauereinnahmen bei Heimspielen gegen die Löwen.
Havelse ist ein anderer Gegner als 1860. Statt eines etablierten Traditionsklubs mit Achtplatzierung steht nun ein Team im Feld, das sportlich abgestiegen war und mit 3,18 Millionen Euro einen der niedrigsten Kaderwerte der Liga stellt.
Der DFB-Pokal ist betroffen. 1860 hatte sich sportlich für den Wettbewerb qualifiziert. Ob und wie der Platz nachbesetzt wird, ist ein Detail, das viele Fans beschäftigt.
Einordnung für Wettende
Zwei Punkte, die aus dem Fall folgen:
Lizenzfragen sind ein realer Wettfaktor. Wer im Frühjahr auf Auf- oder Abstieg wettet, sollte die Lizenzierungsverfahren im Blick behalten. Der Fall 1860 zeigt: Ein sportlich gesicherter Platz ist nicht automatisch ein sicherer Platz. Vergleichbare Konstellationen gab es in der Vergangenheit mehrfach.
Havelse ist im Abstiegsmarkt schwer einzuschätzen. Der Klub bleibt in der Liga, ohne es sportlich geschafft zu haben – ein Team im Klassenerhalt-Modus mit dem viertniedrigsten Kaderwert. Der Markt dürfte Havelse entsprechend hoch im Abstiegsmarkt führen. Ob das gerechtfertigt ist oder ob die Wiedergutmachungs-Motivation einen Effekt hat, bleibt abzuwarten.
Für 1860-Fans bleibt die Frage, ob der Klub in der Regionalliga Bayern schnell zurückfindet – oder ob die strukturellen Probleme tiefer sitzen als die aktuelle Krise.
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