Jan Rademeister
| veröffentlicht am: 23.07.26
geprüft von Thoralf Müller | 7 Min. Lesezeit

BVB Kader 2026/27: Zugänge, Abgänge & Analyse

Fußball-Saison 2023/24: Anstieg verletzter Spieler und Strafverfahren

Borussia Dortmund geht mit dem jüngsten Kader der Spitzenklubs in die Saison 2026/27. Bei einem Marktwert von 504,20 Millionen Euro und einem Durchschnittsalter von 24,9 Jahren hat Niko Kovač eine Mannschaft im Umbruch – mit auffällig vielen Talenten und einer Transferpolitik, die fast ausschließlich auf Perspektive setzt. Was der Kader hergibt, wo die Lücken klaffen und ob es diesmal für mehr als Platz zwei reicht.

Letzte Aktualisierung: 22. Juli 2026

Der Kader auf einen Blick

Gesamtmarktwert 504,20 Millionen Euro
Kadergröße 28 Spieler
Durchschnittsalter 24,9 Jahre
Legionäre 16 (57,1 %)
A-Nationalspieler 15
Transferbilanz −17,00 Mio. Euro
Trainer Niko Kovač
Vorsaison Vizemeister (73 Punkte, +36 Tore)
Europapokal Champions League
Stadion Signal Iduna Park (81.365 Plätze)

Zur Einordnung: Der BVB-Kader ist mit rund 504 Millionen weniger als halb so wertvoll wie der von Bayern (1,07 Mrd.). Der Abstand in der Tabelle betrug 16 Punkte – der Abstand im Kaderwert ist prozentual deutlich größer.

Alle Zugänge und Abgänge

Zugänge

Spieler Position Alter Von Ablöse
Joane Gadou Innenverteidiger 19 RB Salzburg 19,50 Mio. €
Kauã Prates Linker Verteidiger EC Cruzeiro 7,00 Mio. €
Justin Lerma Offensives Mittelfeld 18 Independiente del Valle 4,00 Mio. €
Samuele Inácio Hängende Spitze 18 Borussia Dortmund II
Mathis Albert Linksaußen 17 Borussia Dortmund II
Mussa Kaba Defensives Mittelfeld 17 Borussia Dortmund II
Diant Ramaj Torwart 24 1. FC Heidenheim Leihe beendet

Abgänge

Spieler Position Zu Ablöse
Cole Campbell Rechtsaußen SV Elversberg 6,00 Mio. €
Julien Duranville Linksaußen Olympique Lyon 5,00 Mio. €
Kjell Wätjen Zentrales Mittelfeld FC Midtjylland 2,50 Mio. €
Julian Brandt Offensives Mittelfeld vereinslos ablösefrei
Salih Özcan Defensives Mittelfeld Beşiktaş Istanbul ablösefrei
Niklas Süle Innenverteidiger SV Tiefenbach

Die Bilanz: Rund 30,5 Millionen Euro Ausgaben stehen etwa 13,5 Millionen Euro Einnahmen gegenüber – macht ein Minus von 17,00 Millionen Euro. Damit ist der BVB im Vergleich zur Konkurrenz zurückhaltend geblieben. Auffällig ist das Muster: Fünf der sieben Zugänge sind 19 Jahre oder jünger, drei kamen aus der eigenen zweiten Mannschaft.

Der komplette Kader nach Positionen

Tor

Nr. Spieler Alter Marktwert Status
1 Gregor Kobel 28 40,00 Mio. € Stammtorwart
32 Diant Ramaj 24 7,00 Mio. € Ersatz
33 Alexander Meyer 35 500 Tsd. € Ersatz
30 Patrick Drewes 33 300 Tsd. € Ersatz
31 Silas Ostrzinski 22 200 Tsd. € Perspektive

Abwehr

Nr. Spieler Position Alter Marktwert Status
4 Nico Schlotterbeck 26 55,00 Mio. € Stammspieler
22 Joane Gadou Innenverteidiger 19 20,00 Mio. € Rotation
3 Waldemar Anton Innenverteidiger 30 18,00 Mio. € Stammspieler
49 Luca Reggiani Innenverteidiger 18 10,00 Mio. € Rotation
5 Ramy Bensebaïni Innenverteidiger 31 7,00 Mio. € Rotation
23 Emre Can Innenverteidiger 32 3,00 Mio. € Rotation
39 Filippo Mané Innenverteidiger 21 2,50 Mio. € Perspektive
24 Daniel Svensson Linksverteidiger 24 22,00 Mio. € Stammspieler
42 Almugera Kabar Linksverteidiger 20 3,00 Mio. € Perspektive
26 Julian Ryerson Rechtsverteidiger 28 25,00 Mio. € Stammspieler
2 Yan Couto Rechtsverteidiger 24 17,00 Mio. € Rotation

Mittelfeld

Nr. Spieler Position Alter Marktwert Status
8 Felix Nmecha Zentrales Mittelfeld 25 55,00 Mio. € Stammspieler
7 Jobe Bellingham Zentrales Mittelfeld 20 40,00 Mio. € Stammspieler
17 Carney Chukwuemeka Zentrales Mittelfeld 22 20,00 Mio. € Rotation
20 Marcel Sabitzer Zentrales Mittelfeld 32 6,00 Mio. € Rotation
28 Justin Lerma Offensives Mittelfeld 18 3,20 Mio. € Perspektive
48 Mussa Kaba Defensives Mittelfeld 17 200 Tsd. € Perspektive

Angriff

Nr. Spieler Position Alter Marktwert Status
14 Maximilian Beier Mittelstürmer 23 40,00 Mio. € Stammspieler
27 Karim Adeyemi Rechtsaußen 24 40,00 Mio. € Stammspieler
9 Serhou Guirassy Mittelstürmer 30 32,00 Mio. € Stammspieler
21 Fábio Silva Mittelstürmer 24 22,00 Mio. € Rotation
40 Samuele Inácio Hängende Spitze 18 15,00 Mio. € Rotation
41 Mathis Albert Linksaußen 17 300 Tsd. € Perspektive

Die voraussichtliche Stammelf

Kovač setzte am Ende der Vorsaison auf ein 3-4-2-1. Beim 2:0 in Bremen am letzten Spieltag stand folgende Elf auf dem Platz:

Kobel – Anton, Reggiani, Schlotterbeck – Ryerson, Nmecha, Bellingham, Svensson – Inácio, Beier – Guirassy

Bemerkenswert ist die Zusammensetzung: Mit Reggiani (18) und Inácio (18) standen zwei Teenager in der Startelf. Für die neue Saison dürfte Gadou um den Platz in der Dreierkette konkurrieren, offensiv drängt Adeyemi zurück in die Elf.

Positionsanalyse: Wo der Kader trägt und wo es dünn wird

Tor: Solide Nummer eins, viel Ballast dahinter. Gregor Kobel ist mit 40 Millionen der wertvollste Torhüter der Liga und unumstritten. Dahinter stapeln sich allerdings vier Keeper mit zusammen acht Millionen Marktwert – Meyer (35), Drewes (33), Ostrzinski (22) und der zurückgekehrte Ramaj. Das ist Kaderballast ohne sportlichen Mehrwert.

Abwehr: Zahlenmäßig stark, aber im Zentrum überaltert. Elf Verteidiger sind viel, sieben davon Innenverteidiger. Schlotterbeck (55 Mio.) ist der Anker, doch dahinter wird es heterogen: Anton (30), Bensebaïni (31) und Can (32) sind allesamt jenseits des Zenits, ihre Marktwerte von 18, 7 und 3 Millionen dokumentieren das. Die Zukunft heißt Gadou (19) und Reggiani (18) – beide mit hohen Bewertungen, aber wenig Erfahrung.

Mittelfeld: Die dünnste Abteilung. Sechs Mittelfeldspieler sind wenig für eine Saison mit Champions League. Nmecha (55 Mio.) und Bellingham (40 Mio.) bilden ein starkes Zentrum, aber dahinter kommen nur Chukwuemeka (20 Mio.), der alternde Sabitzer (32, 6 Mio.) und zwei Teenager. Nach den Abgängen von Brandt und Özcan fehlt sowohl kreative Klasse als auch defensive Absicherung.

Angriff: Breit besetzt, aber ohne Weltklasse-Spitze. Sechs Offensivspieler, davon drei nominelle Mittelstürmer – Beier (40 Mio.), Guirassy (32 Mio.) und Fábio Silva (22 Mio.). Adeyemi bringt Tempo über außen. Was fehlt, ist ein Spieler der Kategorie Olise oder Musiala: Der teuerste Offensivspieler kostet 40 Millionen, bei Bayern sind es 170.

Was der Kader verloren hat

Zwei Abgänge wiegen schwerer, als die Ablösesummen vermuten lassen.

Julian Brandt verließ den Klub ablösefrei nach Vertragsende. Der Offensivspieler war über Jahre der kreative Kopf der Mannschaft und stand auch im letzten Saisonspiel noch im Kader. Für einen Spieler dieses Kalibers null Euro zu erlösen, ist wirtschaftlich schmerzhaft – sportlich fehlt sein Profil im Kader komplett.

Salih Özcan ging ebenfalls ablösefrei nach Istanbul. Er war die defensive Absicherung hinter Nmecha und Bellingham – eine Rolle, für die aktuell nur der 32-jährige Sabitzer oder der 17-jährige Kaba zur Verfügung stehen.

Dazu kommen Duranville (5 Mio. nach Lyon) und Campbell (6 Mio. nach Elversberg): zwei Offensivtalente, die perspektivisch eingeplant waren und nun fehlen.

Unter dem Strich hat der BVB mehr Substanz verloren als ersetzt – die Zugänge sind fast ausschließlich Perspektivspieler.

Altersstruktur und Vertragssituation

Das Durchschnittsalter von 24,9 Jahren ist das auffälligste Merkmal dieses Kaders – und es beschreibt eine echte Zweiteilung.

Sieben Spieler sind 17 bis 20 Jahre alt: Kaba (17), Albert (17), Gadou (19), Reggiani (18), Inácio (18), Lerma (18), Kabar (20), Bellingham (20). Bemerkenswert: Gadou, Reggiani und Inácio kommen zusammen auf 45 Millionen Marktwert – der Klub setzt massiv auf diese Generation.

Vier Spieler sind 30 oder älter: Can (32), Sabitzer (32), Bensebaïni (31), Anton (30), dazu die Ersatztorhüter Meyer (35) und Drewes (33). Bei allen vier Feldspielern ist der Marktwert bereits deutlich gefallen.

Das Risiko dieser Struktur: Wenn die Talente nicht sofort funktionieren, fehlt die erfahrene Mittelschicht, die eine Saison stabilisiert. Der BVB setzt darauf, dass Reggiani, Gadou und Inácio den Sprung machen – das ist mutig, aber nicht risikofrei.

Der Trainer: Niko Kovač

Der Kroate geht in seine zweite volle Saison beim BVB. Vizemeister mit 73 Punkten und einer Tordifferenz von +36 – das ist eine solide Bilanz, aber auch der Beleg für das Grundproblem: Der Abstand zu Bayern betrug 16 Punkte.

Kovač’ Handschrift ist erkennbar defensivorientierter als die seiner Vorgänger. Das 3-4-2-1 der Schlussphase gibt Stabilität, verlangt aber viel von den Außenbahnspielern Ryerson und Svensson.

Bemerkenswert ist sein Umgang mit den Talenten: Dass Reggiani und Inácio mit 18 Jahren im letzten Saisonspiel starteten, war kein Zufall, sondern Teil einer Linie. In dieser Saison muss er beweisen, dass dieser Weg auch unter Champions-League-Belastung trägt.

Belastungsprofil

Der BVB spielt Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League – realistisch über 45 Pflichtspiele.

Zwei Faktoren erschweren den Start: Zum einen die Japan-Reise statt eines klassischen Trainingslagers, die Substanz kostet. Zum anderen der Pflichtspielrhythmus: Am 22. August steht der Supercup gegen Bayern an, am 29. August der Ligastart, am 1. September das verlegte Pokalspiel – drei Pflichtspiele in elf Tagen.

Die Kadertiefe ist dabei das eigentliche Problem. Im Mittelfeld sind es nur sechs Spieler, von denen zwei Teenager sind. Fällt Nmecha oder Bellingham aus, wird es eng.

Was der Kader erreichen kann

Realistisches Szenario: Platz 2. Der BVB ist der logische erste Verfolger. Der Kaderwert liegt deutlich über dem der Konkurrenz aus Leipzig und Leverkusen, das Zentrum mit Nmecha und Bellingham ist stark, die Offensive breit besetzt.

Best Case: Titelkampf bis Frühjahr. Dafür müssten mehrere Dinge zusammenkommen: Die Talente müssen sofort funktionieren, Bayern müsste patzen, und der BVB müsste die Konstanz gegen Mittelfeldteams finden – das war zuletzt das Hauptproblem.

Worst Case: Platz 4 oder schlechter. Das Risiko liegt in der Kadertiefe. Ein Mittelfeld mit sechs Spielern, davon zwei unter 19, ist für eine Dreifachbelastung dünn. Verletzungen bei Nmecha, Bellingham oder Schlotterbeck träfen den Klub härter als jeden anderen Spitzenklub.

Unsere Einschätzung: Platz 2, aber ohne echte Titelchance. Der Abstand zu Bayern ist zu groß, um ihn mit einem Kader zu schließen, der halb so wertvoll ist.

Kader vs. Marktbewertung: Wo die Quoten abweichen

Die Meisterquote des BVB liegt im zweistelligen Bereich – der Markt sieht also keine realistische Titelchance. Aus Kadersicht ist das korrekt.

Interessanter ist die Top-2-Wette bei etwa 1,80. Hier deckt sich Markteinschätzung und Kaderanalyse: Der BVB ist klar zweitstärkster Kader, aber die dünne Mittelfeldbesetzung macht die Sache weniger sicher, als der Kurs suggeriert.

Wer eine Gegenposition sucht: Bei einem Ausfall im Zentrum wäre Leverkusen oder Leipzig der wahrscheinlichste Profiteur. Wer daran glaubt, findet dort deutlich höhere Kurse für einen Top-2-Platz.

Quoten-Stand: 22.07.2026. Wettquoten unterliegen ständigen Schwankungen – bitte vor Wettabgabe beim jeweiligen Anbieter prüfen.


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